Foto-Aktion : Germany’s Next Büromodel

Im Hilton ließen sich hundert Berlinerinnen von Starfotograf Guido Karp ablichten.

Elena Senft
245089_0_01f15d9f.jpeg
Guido Karp fotografiert Daniela aus Berlin. -Foto: Uwe Steinert

Mit Frauen und Fotos ist das ja so eine Sache. Denn wenn Frauen nicht sowieso finden, dass sie auf allen Fotos ganz schlimm aussehen, dann fragen sie den Fotografen Dinge wie: Ob es eigentlich einen Grund dafür gebe, dass die Freundin im Hoch-, man selbst hingegen im Querformat fotografiert wurde?

Diese Frage zumindest umschifft Guido Karp mittlerweile gekonnt, denn alle Frauen, die von Stylisten professionell aufgebrezelt mit großen blonden Locken und dramatischem Augen-Make-up in einem Konferenzraum des Hilton-Hotels sitzen und auf ihren Auftritt warten, haben bei ihm das gleiche Motiv: Ein Porträtfoto. Und jeder, der schon mal vor einem Hobbyfotografen saß und schief in eine Kamera gegrinst hat, weiß, dass ein schönes Porträtfoto viel ist.

Starfotograf Guido Karp lichtet normalerweise Robbie Williams oder Pink ab. Im Moment allerdings ist er auf Städtetour, um ganz normale Frauen zu fotografieren, die sich dafür beworben haben. Engagiert hat ihn ein großer Büroartikelhersteller und die Städtereise nennt sich StarLeitz-Tour, womit auch die Frage geklärt sein müsste, was für normale Frauen sich eingefunden haben: Frauen nämlich, die jeden Tag mit Büroartikeln zu tun haben. Die jeden Tag Blätter in Ordner sortieren, Ordner in Schränke stellen, Ordner beschriften und höchstwahrscheinlich ein angespanntes Verhältnis zu Ordnern haben. Als Versicherungsfachangestellte, als Angestellte in einer Wirtschaftskanzlei, als Sekretärin in einer Schule, in der Buchhaltung einer Restaurantkette.

Sie werden hier gestylt und einzeln von Guido Karp aufgerufen. Dann stehen die aufgestylten Bürodamen im hellen Licht und lächeln gekünstelt. Daniela Gareiß etwa hat sonst meist einen glatten Pferdeschwanz und ist fast gar nicht geschminkt. Jetzt hat sie eine Frisur wie Brigitte Bardot und ein Stylist pinselt noch mal kurz nach, bevor sie vor der weißen Wand steht. Dann macht Guido Karp 100 Mal den gleichen Witz. Bei jeder Frau ein Mal. Nicht, weil ihm kein neuer Witz einfallen würde, sondern weil der Witz 100 Mal funktioniert: „Denken Sie an was Schönes – denken Sie an mich!“ Dann lacht die Bürodame. Natürlich, ungekünstelt und in den meisten Fällen macht es jetzt „klick“.

Jede Frau darf ihr schönstes Foto mit nach Hause nehmen. Als Guido Karp die Fotos verteilt, ist die Stimmung so wie eine Mischung aus Abizeugnisvergabe und Rundenerfolg bei „Germany’s Next Topmodel“. Alle Frauen klatschen und vereinzelt fließt eine Träne. Daniela Gareiß sitzt am Ende in der Lobby, wartet, bis sie abgeholt wird und hat ihr Foto auf dem Schoß. Der Tag war toll. Die Tipps der Stylisten haben ihr geholfen. Das Foto sieht super aus. Es sehe ihr fast gar nicht ähnlich, findet sie.

Wenn sie das Hotel verlässt, wird ihr ein fieser Nieselregen auf den Kopf regnen und kalter Wind ins Gesicht blasen. Die Brigitte-Bardot-Frisur wird im Eimer sein und das Make-up auch. Egal. Es bleiben schöne, gerahmte Erinnerungen. Und für hundert Berlinerinnen ist die Frage nach einem passenden Weihnachtsgeschenk nun geklärt. Elena Senft

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben