Fotoausstellung : Im Bett mit den Popstars

Olaf Heine könnte verraten, welche Macken Größen wie Westernhagen, Sting oder die Ärzte haben. Tut er aber nicht. Er zeigt nur seine Fotografien der Musiker. Gerade in einer Galerie in Mitte

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Gefangen im Augenblick. Für sein Buch stellte Heine eine Reihe von Momentaufnahmen aus Shootings mit verschiedenen Musikern zusammen. Foto: Olaf HeineAlle Bilder anzeigen
Foto: Olaf Heine
14.10.2010 12:55Gefangen im Augenblick. Für sein Buch stellte Heine eine Reihe von Momentaufnahmen aus Shootings mit verschiedenen Musikern...

Olaf Heine weiß, ob es bei Sting daheim aufgeräumt ist. Ob in Rammsteins Tourbus nach dem Konzert weitergefeiert wird oder ob die Rocker friedlich schlummern. Er kennt die Marotten von Anna Loos und Westernhagen. Doch er verrät von all dem nichts. Heine ist 42 Jahre alt und fotografiert seit Jahren die Stars dieser Welt abseits vom Rockstar-Mythos in meist privaten Momenten. Was er nicht erzählen will, zeigt er immerhin teilweise: Im Bildband „I Love You but I’ve Chosen Rock“ (Verlag Hatje und Cantz) und in der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Hiltawsky in Mitte.

Schon als Jugendlicher wollte Heine Teil des Musikbusiness sein, erzählt er, Bluejeans, weiße Turnschuhe, grauer Cardigan und Seitenscheitel. „Musik war meine Leidenschaft.“ Aber da er kein Instrument spielt, musste ihm die Kamera die Tür in diese Welt öffnen. Schon in der Wohnung der Eltern in Hannover lagen welche herum, der Vater, Optiker, war Hobbyfotograf. Ende der Achtziger fotografierte Heine lokale Bands, erst auf Konzerten, dann für Plattencover. Mundpropaganda tat den Rest, immer mehr Musiker kamen auf ihn zu. Der ausgebildete Bauzeichner brach sein Architekturstudium nach drei Monaten ab, zog 1992 nach Berlin und fotografierte von nun an hauptberuflich. Heute ist er fast selbst schon ein Star. Er begleitet die Ärzte auf Tour, lässt die Sportfreunde Stiller zusammen im Bett kuscheln, knipst die Toten Hosen vor einem abbruchreifen Haus im portugiesischen Hinterland, lässt Westernhagen in seiner Dunkelkammer oder den Rapper Snoop Dogg als Mönch posieren, meist in Schwarz-Weiß.

Metallica, A-ha, Depeche Mode – vor Heines Kamera bewegt sich das Who is Who der Musikszene. Deren Mythen will er aber nicht bedienen. „Ich will lieber das Natürliche, das Spontane abseits der Imagesache zeigen“, sagt er. Einfach dabei sein, mal Stunden, mal Wochen. Er versuche, auf Augenhöhe mit den Musikern zu gehen, eine Momentaufnahme zu schaffen, um „so etwas Ungreifbarem wie Musik ein Gesicht zu geben. Ich habe diesen Fankult nicht, ich arbeite mit ihnen zusammen.“ Wenn Heine mit jemandem nicht klarkommt, bricht er das Shooting ab. Das sei legitim, man brauche Vertrauen. Das zeigen viele Stars. Wenn sie Heine überschwänglich loben, ehrt ihn das, sagt er. „Aber ein Kompliment meines Sohnes ist mir lieber“. Mit dem geht der Bayern-Fan gerne auf den Bolzplatz nahe der Wohnung am Volkspark Friedrichshain. Ihren Freunden müssen Sohn und Tochter viel erzählen, schließlich sind die meisten Freunde des Vaters berühmt.

Aber Ruhm hinterlasse auch Spuren, er verändere die Menschen manchmal verblüffend. Mal zum Guten, mal zum Schlechten. Mehr will er nicht sagen. Fast schon vorbildlich schützt er das Privatleben seiner Kunden, selbst wenn die sich in Magazinen und TV-Sendungen mit einem Seelenstriptease entblättern.

Heine, der für das Foto den Schal ablegt, weil der „so pseudo-künstlerisch“ aussieht, fotografiert nicht nur Musiker. Gerade arbeite er viel mit Fußballern zusammen, erst vergangene Woche war Bayernprofi Bastian Schweinsteiger dran. Vor der Weltmeisterschaft in Südafrika hatte er die ganze Nationalmannschaft vor der Linse. „Das hat mich schon gefreut als Fußballfan“, sagt er. Sonst gibt es nicht viel, was er noch erreichen will. Einmal länger nach Bali reisen und die Tempel fotografieren. Und Peter Fox ablichten. Der habe abgelehnt, weil ihm der Rummel um seine Person schon groß genug gewesen sei. Wenn keine Personen da sind, werden auch Landschaften, Motorräder und Verstärker zu Motiven. Neben der Fotografie gestaltet Heine Plattencover, dreht Werbefilme oder Musikvideos wie „Manchmal haben Frauen ...“ für die Ärzte, für das er im Jahr 2000 den Echo bekam.

Mitte der 90er Jahre pendelte Heine 12 Jahre zwischen Berlin und Los Angeles. Erst im Ausland habe er gemerkt, wie toll Berlin ist – alle Welt rede davon. „Die Stadt ist absolut stilprägend“, sagt er. Wegziehen? Kann er sich nicht vorstellen. Zumal viele Stars hier leben und immer mehr herziehen, also seine Kunden quasi direkt vor der Haustür sind.

Ausstellung „I Love You but I’ve Chosen Rock“ in der Galerie Hiltawsky, Tucholskystraße 41, Mitte, bis 7. Januar 2011, Di-Fr 13.30 - 19.30 Uhr, Sa 14-17.30 Uhr

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