Fotomagazin : Und er hat zoom gemacht

Seit 25 Jahren bringt Dietmar Bührer das Fotomagazin „Brennpunkt“ heraus. Sogar das MoMA in New York hat das Heft abonniert.

Patricia Hecht
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Der Macher und sein Werk. Dietmar Bührer gründete das nicht-kommerzielle Fotomagazin im Oktober 1984 als leidenschaftlicher...

Auf den Schwarz-Weiß-Fotografien, die seit 25 Jahren im Magazin „Brennpunkt“ veröffentlicht werden, sieht man vor allem eines: Menschen. Menschen in Berliner Hinterhöfen und auf Berliner Straßen, Menschen vor der Mauer und auf ihr, als sie fiel. Es sind lebendige, poetische, historische Bilder, oft auch mit liebevollem Humor aufgenommen – und mit den Jahren ergeben sie ein Panorama der Stadt und ihrer Bewohner.

Gewissermaßen spiegelt sich der Fokus des Hefts auch in der Arbeitsmethode seines Machers. Dietmar Bührer, der das nichtkommerzielle Fotomagazin im Oktober 1984 als leidenschaftlicher Hobbyfotograf gründete, hat auch sein „Büro“ unter Menschen: Im Café Melanie am Steglitzer Walther-Schreiber-Platz. Hier arbeitet er an den Ausgaben und trifft sich mit Fotografen. „Die Stadt verändert sich jeden Tag“, sagt er. Der „Brennpunkt“, zum festen Bestandteil der Berliner Fotolandschaft geworden, hält es fest.

100 Ausgaben sind es mittlerweile, vierteljährlich erscheint das Magazin mit 2000 Exemplaren. Außer dem Format, das zugunsten größer gedruckter Bilder wuchs, hat sich seit der ersten Ausgabe am Konzept nichts verändert. In einer Galerienschau geht es um Ausstellungen, auf mehrseitigen Fotostrecken werden einzelne Fotografen präsentiert, die mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet kommen – mit Bildern aus der Stadt, und oft auch von Reisen. Die weitaus meisten Leser sind Berliner, aber sogar das New Yorker Museum of Modern Art, sagt Bührer stolz, habe das Magazin abonniert.

Veröffentlicht hat eine illustre Reihe von Fotografen: Robert Häusser, Robert Lebeck, Herbert Tobias oder Harald Hauswald etwa. Dessen Bilder schmuggelte Bührer auch schon mal im Pappkarton über die Grenze in den Westen. Dieter Matthes fotografierte 1992 ohne jegliches Mitleid die Besucher des Strandbads Wannsee, Bernd Riehm begleitete ein paar Jahre später einfühlsam den Obdachlosen Edwin. Lange nicht alle Fotografen haben einen Namen, wenn sie im „Brennpunkt“ veröffentlichen – aber Bührer geht ohne Standesdünkel an die Arbeiten heran. Einen Unterschied zwischen fotografischer High-Society und unbekanntem Nachwuchs macht er nicht. Was zählt, sind Begeisterung und Bilder.

Bührer selbst hat in der U-Bahn angefangen zu fotografieren. Am Bodensee aufgewachsen, kam er 1970 nach Berlin: „Die Stadt brauchte junges Blut“, sagt er. Er kaufte sich eine Leica, eine ganz leise, so dass er von seinem Schoß aus die Fahrgäste aufnehmen konnte, ohne dass sie es merkten. Als Chef der Druckerei in der Haftanstalt Tegel gab er Workshops für Gefangene, acht Jahre leitete er ehrenamtlich eine Amateur-Fotogalerie in Moabit. Mehrere Bücher sind mit seinen eigenen Bildern erschienen, und er stellt regelmäßig aus. Ob in Galerien in Mitte, im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz, in dem er momentan einer von 21 Fotografen ist, deren Wende-Bilder gezeigt werden – oder auch im Berliner Fenster der U-Bahn. Wenn die Menschen erreicht werden mit den Bildern, ist es gut.

Vieles, was Bührer selbst fotografierte oder was Fotos im „Brennpunkt“ festhielten, gibt es so nicht mehr: Die Tante-Emma-Läden etwa, noch in den 90ern in der Stadt aufgenommen, oder die dritten und vierten Hinterhöfe, die noch kurz nach der Wende an Zilles Milieu erinnerten. Und auch die Bilder, die auf Reisen aufgenommen wurden, an Stränden oder im ehemaligen Ostblock, dokumentieren, wie sich Land und Leute verändern.

Bührer ist ein unermüdlicher Arbeiter für seine Sache. Wenn eine Ausgabe des „Brennpunkts“ fertig ist, beginnt er, unterstützt durch ebenso fotobegeisterte Freunde, mit der nächsten. Anfangs, erzählt er, habe er das Magazin sogar noch selbst gedruckt – und noch immer bringt er es mit einem Rollkoffer eigenhändig zur Post und in die Galerien. Eine kleine Kamera hat er dabei. „Es passiert immer etwas“, sagt er. „Und wenn es mir gefällt, mache ich ein Bild.“ Von Menschen, wenn möglich.

Die aktuelle Sonderausgabe kostet 19,80 Euro. Mehr Informationen im Internet unter www.edition-dibue.de

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