Frauenfußball-Festival : Discover Football: Training für die Menschenrechte

Das Festival "Discover Football" startet in Kreuzberg. Auch die afghanische Frauennationalelf tritt an - aber nicht jedes Team, das kommen wollte, konnte das auch.

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Stürmerin Sajia Sahar (l.) auf Tour mit der afghanischen Fußballnationalelf.
Stürmerin Sajia Sahar (l.) auf Tour mit der afghanischen Fußballnationalelf.Foto: Annette Kögel

Das rote Stirnband trägt Sajia Sahar nur ausnahmsweise, hier in Deutschland. „Zu Hause in Kabul gehe ich natürlich mit Kopftuch auf die Straße“, sagt die 19-Jährige. Und die Schminke? „Die trage ich auch in Afghanistan.“ Ihr weiß-rotes Trikot holt sie drei Mal die Woche zum Training aus der Sporttasche. In Berlin geht Sajia am Donnerstag um 14 Uhr als Stürmerin der Frauenfußballnationalmannschaft aus Afghanistan auf den Platz – beim internationalen Frauenfußball-Kulturfestival „Discover Football“. Die Mannschaft „steht für das neue Afghanistan, für Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frau“, sagte der Gesandte Botschaftsrat Abed Nadjib beim Empfang am Dienstag in der afghanischen Botschaft in Zehlendorf.

Die afghanische Nationalelf spielt zwischen dem 6. und dem 13. Juli auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg etwa gegen eine indianische Mannschaft aus Ecuador, die Kickerinnen vom Aids-Projekt Masco HIV aus Sambia und das isrealisch-palästinensische Friedensteam. Am Anfang sei es schwer gewesen, sich als Fußballerin gegen Widerstände durchzusetzen, sagt Sajia Sahar, die Sport studiert und gern Jura dranhängen möchte. „Aber mein Vater ist ehemaliger Nationalspieler, er hat mich unterstützt.“ Dieser kickte früher mit Team-Initiator Ali Askar Lali, der als Gesandter des Deutschen Fußballbundes und des Deutschen Olympischen Sportbundes in vielen Ländern gesellschaftliche Sportprojekte aufbaut. „Das Team ist mein Kind“, sagt Lali. Im Bus läuft jetzt der südafrikanische WM-Song „Waka Waka“ von Shakira über Handyboxen.

Rund 600 Mädchen und Frauen wagen sich in Afghanistan zum Fußballtraining, knapp 20 Teams gibt es. Die Nationalelf spielt immer auf dem Militärgelände in Kabul, dem Sportplatz der Isaf-Schutztruppe, „da sind wir sicher“, sagt Lali auf der Fahrt durch Berlin. Der 53-Jährige erhielt schon Morddrohungen, weil er Frauen an den Ball lässt. Viele Spielerinnen im Bus waren bereits öfter auf Auswärtsspielen in Europa. Eine wurde in Kabul verhaftet, nachdem sie einen ausländischen Journalisten bei sich zu Hause empfangen hatte. Auch solche Themen werden bei „Discover Football“ diskutiert.

Nicht jedes Team, das kommen wollte, konnte das auch. Das iranische Frauenteam durfte nicht ausreisen. Und das liberianische Team „Fodede“ scheiterte am Visum bei der deutschen Botschaft in Ghana. Das wurde einigen Spielerinnen verwehrt, weil sie ihre Rückkehrwilligkeit offenbar nicht glaubhaft machen konnten. „Die Verwurzelung im Heimatland und die Rückkehrwilligkeit müssen nachgewiesen werden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele ärgert sich über die „Ignoranz der Behörde, die nicht versteht, wie wichtig solche internationalen Treffen sind“. Das Auswärtige Amt unterstützt „Discover Football“ immerhin finanziell.

Die afghanische Stürmerin Sajia Sahar spielt aber mit. Sie sagt: „Die Idee der Demokratie werde ich im Gepäck mit nach Hause nehmen.“

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