Freiluftkinos : Alle mal rausgucken

Die wichtigsten Freiluftkinos starten in die Saison. Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Die nächsten vier Tage soll es trocken bleiben.

Sebastian Leber

Im Freiluftkino Friedrichshain gibt es eine eiserne Regel, darauf sind die Betreiber stolz. Sie lautet: Die Vorstellungen finden bei jedem Wetter statt. Also auch bei Starkregen. Oder bei heftigem Wind. Sogar bei Frosteinbruch, theoretisch. Denn: Eine Handvoll Filmguckwilliger kommt immer, sagt Louis Schneider, der Chef.

Gestern Abend ist sein Open-Air-Kino in die Saison gestartet, in die zehnte schon. Es hat sich als eines der wichtigsten der Stadt etabliert und als eines mit der abwechslungsreichsten Programmauswahl: Heute Abend läuft das Indien-Roadmovie „Darjeeling Limited“, morgen „Control“ mit Alexandra Maria Lara, am Sonntag gibt’s den preisgekrönten Comicfilm „Persepolis“. Aber auch Klassiker sind eingeplant – zum Beispiel „Harold and Maude“ oder Billy Wilders „Eins, zwei, drei“. Und die Zuschauer werden zu Hunderten in den Volkspark kommen. Denn die Meteorologen geben zumindest für die nächsten vier Tage eine Nicht-Regen- Garantie.

Weil die Konkurrenz groß ist in der Stadt, geben sich die Betreiber nicht nur mit der Auswahl der Filme Mühe, sondern überlegen sich kleine Extras. Das Freiluftkino Friedrichshagen feiert am morgigen Freitag Saisoneröffnung, zum Start gibt es Martin Scorseses Stones-Dokumentation „Shine a Light“. Weil die echten nicht nach Friedrichshagen kommen wollten, soll jetzt vor Filmbeginn die Coverband Ed Stone spielen – laut Eigenwerbung die „schärfste Coverband des Jahres“. Das könnte man als Kriegserklärung an die „Starfucker“ verstehen, die andere Berliner Stones-Coverband. Hoffentlich bleibt es friedlich am Freitag.

Wer gerne Filme im Original guckt, geht zum Mariannenplatz. Das Freiluftkino im Innenhof des Künstlerhauses Bethanien zeigt alle internationalen Streifen als OmU. Wie oft man dabei auf die Untertitel schauen muss, hängt nicht nur von eigenen Sprachkenntnissen ab, sondern auch vom Nuschelgrad der Schauspieler. Empfehlenswert für OmU-Einsteiger: George Clooney spricht am Sonnabend nächster Woche als „Michael Clayton“ ein klares, leicht verständliches Englisch. Der Härtefall „I’m a cyborg but that’s okay“ lief zum Glück schon letzte Woche im Original. Auf Koreanisch.

Ganz wichtig im Kampf um die Gunst der Zuschauer: es seinen Gästen so bequem wie möglich machen. An Lava-Lampen und Flokatis hat bisher keiner gedacht, doch das Kino im Innenhof der Stadtbibliothek Spandau hält zum Beispiel flauschige Decken und extraweiche Kissen bereit. Und wenn es kalt wird, hilft die selbstkreierte „Open-Air-Suppe“. Die beste Erfindung der Spandauer ist aber der telefonische „Wetter-Service“: Zwei Stunden vor Beginn kann man anrufen und nachfragen, auf welche Wetterumschwünge man sich bis Filmende einstellen muss. Dann kann man sich zur Not spontan umentscheiden und statt in die Bibliothek zum Autokino am Kurt-Schumacher-Damm fahren. Da passiert es höchstens mal, dass der Regen zu laut aufs Dach prasselt. Klischeegemäß werden im Autokino keine Kunstfilme gezeigt, sondern Spaß- und Actionstreifen aus Hollywood. Ab heute läuft hier der gerade angelaufene „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“.

Trotz allem Komfort muss der Draußen-Kino-Besucher an ein paar Basisutensilien denken: Snacks und Getränke, eine Jacke, falls es kühl wird, und ganz wichtig: „Autan“ gegen Mückenplage. Das Konkurrenzprodukt „Anti Brumm forte“ wirkt auch. Wenn Regen angesagt ist, bringen viele Gäste Plastikplanen mit. Darunter kann es ganz schön gemütlich sein, sagt Louis Schneider, der Betreiber des Kinos im Volkspark Friedrichshain. Wenn er genau nachdenkt, muss er allerdings zugeben, dass doch schon mal eine Vorstellung ausgefallen ist. Das war 2002, im Radio hatten sie Sturmwarnung gegeben. Seine Entscheidung war richtig, sagt Schneider. An dem Abend sind auf dem Gelände vier Bäume umgefallen.

Michael Clayton mit George Clooney wird in mehreren Open-Air-Kinos gezeigt. In der Hasenheide läuft am nächsten Mittwoch der Berlinale-Film Yella mit Nina Hoss. Und im Autokino ist ab heute Harrison Ford als Action-Archäologe Indiana Jones zu sehen.

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