Freiluftkinos : Alles muss raus

Jetzt beginnt die Freiluftkino-Saison. Welche Filme gezeigt werden und was sich verändert hat

Christian van Lessen
Freiluftkino
Freiluftkino vor der farbig angestrahlten Alten Nationalgalerieddp

Arne Höhne schwärmt von der SommerBerlinale, vom Kinderkino, vom Mondlichtfest. Vom idealen Platz für Freunde und Familie, die mit Kinderwagen und mit Picknickkorb willkommen sind. Er spricht vom gemeinsamen Lachen, Staunen, Tränen-Vergießen. Von hingebungsvollen Emotionen, die es eben nur im wirklichen Kino gibt. „Die Leute sitzen sich viel näher, tauschen sich mehr aus, genießen mehr Kinogefühl.“ Höhne formuliert kinoreif, er ist vom Fach, Freiluftkino-Chef. Eine der Leinwände, von denen er schwärmt, steht im Volkspark Friedrichshain, flimmert am Mittwoch in die Saison. Dann fällt die Klappe für das luftige Kinogefühl von Sommer. Das soll in Friedrichshain vier Monate dauern.

Freiluft klingt frisch, nach Gras, nach milder Abendstimmung. Nach warmer Jahreszeit eben. Kommen bequeme Bänke, Stühle, Caféhaus-Tischchen und großzügige Liegewiesen hinzu, ist der Genuss garantiert, der Film fast nebensächlich. Open-Air-Fans wissen aber auch, dass die Liebe zu Luft und Leinwand auf eine harte Probe gestellt wird, wenn sich der Himmel verdüstert, es zu tröpfeln beginnt und sich das Publikum nach und nach verdrückt. Dann ist zwar nicht immer Ende der Vorstellung, aber Einsamkeit macht sich breit. Auch das wäre filmreif. „Regentropfen, die an die Leinwand klopfen“, schrieb mal ein melancholischer Zeitungsautor, ein anderer optimistisch von Flimmerstunde in frischer Luft oder Picknick mit Aussicht.

Selbst Proviant-Mitnehmen ist eigentlich nicht nötig. Es sei denn, das Publikum steht nicht auf Wiener Würstchen, die es in Friedrichshain gibt. Die aber sind, wie Höhne versichert, schon „zum Kult“ geworden. Nicht ganz unwichtig ist allerdings, was nun zum Saisonstart gezeigt wird, nachdem die Band Hotel im Dämmerlicht um halb neun den Auftakt spielt. Der erste Film heißt „Dunkelblaufastschwarz“, wie sich der Himmel wenig später darstellen könnte. Es geht um einen mürrischen Vater und seine Jugendliebe. Aber viele im Publikum werden nicht nur auf die Leinwand starren, sondern auf das, was sie umgibt: die Menschen ringsum, auch die Natur, für sechs Euro alles inklusive.

Täglich wechselnde Filme, Regisseure, die ihre Werke persönlich vorstellen, tollste Filme der aktuellen Saison, starke Frauen, liebevoll chaotische Männer, Klassiker, Kultfilme. Höhne hat sich wieder viel vorgenommen, für eines der schönsten Open-Air-Kinos der Stadt.

Eines der ältesten gehört ihm und seinen drei Mitgesellschaftern auch, es ist das Freifluftkino am Künstlerhaus Bethanien am Kreuzberger Mariannenplatz. Auch mit täglich wechselnden Filmen, heute gibt’s zum Beispiel „Knallhart“, am Mittwoch „Borat“ und am Sonnabend ist die Queen im Film zu Gast. Mr. Bean wird Ferien machen, auch im Freiluftkino Friedrichshagen. Die Kreuzberger haben es zwar nicht so ausladend grün, aber stilvoll ist es schon und auch ansehnlicher geworden. „Gelände entrümpelt, Programm vielfältiger, Vorführtechnik verbessert und die Bestuhlung erweitert“, teilt das Kino mit und verspricht Höhepunkte der Kinosaison, Klassiker und Kultfilme. „Weltkino im besten Sinne“, meist in Originalfassung mit Untertiteln.

Das Angebot an Freiluftkinos ist üppig, auch wenn manche erst in den nächsten Wochen öffnen. Vom Sommerkino Museumsinsel bis zur Kulturfabrik an der Lehrter Straße, vom Badeschiff oder der Balkonbühne Hellersdorf bis zum Schloss Charlottenburg. Kino wird auch in der Wuhlheide, der Hasenheide, der Zitadelle Spandau, am Weißen See und in Dahlem gezeigt. Und, und, und. So viel freie Kinoluft! Nun hoffen alle Veranstalter auf milde Abende und reichlich Gäste. Im letzten Jahr pfiffen viele auf die frische Luft, blieben zu Hause, vorm Fernseher. Wegen der Fußball-WM. Dabei gab und gibt es doch draußen, so Arne Höhne, „Kino, Kino, Kino!“

Adressen und Infos im Internet:
www.berlinstreet.de/praktisch/freiluftkinos.shtml

Am Mittwoch läuft „Borat“ in Kreuzberg ...
am Samstag „Vier Minuten“ in Friedrichshain ... und „Mr. Bean“ in Friedrichshagen.

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