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Freizeitvergnügen : Berlin im Dunkeln

19.02.2009 00:00 UhrVon Sebastian Leber, Saskia Weneit
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Von wegen Federball. Dank fluoreszierender Farben und Schwarzlicht wird „Blackminton“ schnell zur Gruselshow. Foto: Promo 

Dinieren, Badminton spielen, sich verlieben: Was man in Berlin alles in der Finsternis erleben kann.

Die Haare sind egal. Schmuck und Schminke auch. Wer will, kann im alten Trainingsanzug erscheinen. Nur müffeln sollte er nicht. Bei „Dating in the Dark“ spielen Äußerlichkeiten keine Rolle mehr, verspricht Stefan Tolkmitt, der Organisator. An drei Abenden pro Woche will der 32-Jährige künftig Singles verkuppeln, ohne dass sie einander zu Gesicht bekommen. Als Ort für sein Experiment hat sich Tolkmitt den King Kong Klub in Mitte ausgesucht, die Regeln sind simpel: Teilnehmen kann jeder zwischen 20 und 52 Jahren, Männer und Frauen bekommen Augenbinden aufgesetzt und werden jeweils paarweise zueinandergesetzt. Dann haben sie acht Minuten Zeit, um sich allein durch Gespräche kennenzulernen, anschließend mischt der Veranstalter die Paare neu.

Finden sich zwei sympathisch, werden Nummern ausgetauscht. „Vielleicht lernen sich so Leute kennen, die sich normalerweise nie an einen Tisch gesetzt hätten“, hofft Stefan Tolkmitt. Bei mehreren Testrunden hat es funktioniert: Da wurden am Ende fleißig Telefonnummern ausgetauscht.

Sehen wird überbewertet, findet auch Sebastian Wacker, der Chef der „Unsicht-Bar“. Denn wer sich zu sehr auf seine Augen verlasse, vernachlässige zwangsläufig alle anderen Sinnesorgane. „Da entgeht einem vieles: Berührungen auf der Haut, Gerüche, Geräusche im Hintergrund.“ Und Geschmacksnoten. Deshalb bleibt in seiner „Unsicht-Bar“ das Licht grundsätzlich aus. Die Bestellung gibt der Gast im Vorraum auf, da brennt noch Licht, man kann in Ruhe die Speisekarte durchgehen. Dann führt einen der Kellner ins Dunkel. Der ist übrigens wirklich blind, und als Gast ist man beeindruckt, in welchem Tempo er den richtigen Tisch ansteuert. Ohne die anderen Gäste über den Haufen zu laufen.

Die erste eigene Herausforderung ist dann, das Besteck zu ertasten. Und etwas später die ersten Bissen in den Mund zu manövrieren. Zwei Stunden sollte man sich Zeit nehmen. Und wer zwischendurch auf die Toilette muss, sollte sich niemals alleine auf die Suche machen, sondern besser den Kellner fragen. Der ist stets in der Nähe, nur kriegt man das nicht mit. Die größte Überraschung erwartet einen beim Verlassen des in Mitte gelegenen Restaurants. Wenn man nämlich feststellt, dass man kein bisschen verschmiert ist im Gesicht. Logisch, sagt Geschäftsführer Wacker: „Sobald die Augen zu sind, gibt sich jeder mehr Mühe als sonst.“ In Berlins zweitem Dunkel-Restaurant, dem „Nocti Vagus“ in Prenzlauer Berg, gibt es zum Essen jeden Abend Programm. Mal wird ein Krimi vorgelesen, mal Harfe gespielt oder den Gästen der Nacken massiert. Diesen Freitag spielt ein Improvisationstheater. Selbst das funktioniert ohne Licht.

Etabliert hat sich auch das Dunkel-Bowling. Viele große Bowling-Center schalten einmal pro Woche, meist am Freitag oder Sonnabend, ihre normale Beleuchtung ab. Und werfen stattdessen die Schwarzlichtmaschine oder Neonstrahler an. Dazu läuft laute Diskomusik vom Band. So entspannend wie ein Abendessen im Dunkelrestaurant ist das allerdings nicht.

Schwarzlicht wird auch beim Blackminton eingesetzt. Das ist ein Ballspiel ähnlich wie Badminton, bloß ohne Netz, die Schläger erinnern an Squash. Und natürlich ist es in der Halle stockfinster, lediglich der Ball und die Spielfeldbegrenzung leuchten – und die Spieler, wenn sie sich vorher mit fluoreszierenden Farben angemalt haben. Blackminton wurde in Berlin erfunden, eine Kreuzberger Firma hat sich die Rechte gesichert und verleiht die nötige Ausrüstung. Auf deren Homepage wird bekannt gegeben, wann und wo das nächste Mal ein Abend geplant ist.

Blackminton ist ein netter Zeitvertreib. Stefan Tolkmitts „Dating in the dark“ könnte dagegen im besten Fall Leben verändern, hofft der Veranstalter. Sich vorbereiten und kluge Sätze ausdenken hilft aber nicht. Denn letztlich komme es gar nicht so sehr auf das an, was man sagt, sondern darauf, ob einem die Stimme des anderen sympathisch ist. Und die Gesprächsthemen sind sowieso eher banal. Eine beliebte Frage in den Proberunden lautete: „Wie siehst du aus?“

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