FRENCH Connection : Viel Raum für Spekulationen

DJane Miss Kittin zeigt ihren schönsten Franzosen aus New York

Wie finden Franzosen, die in Berlin leben, die schönsten Franzosen aus New York? Wir haben sie gefragt – unsere kleine Serie stellt in loser Folge Wahlberliner und ihre Lieblingsbilder aus der Neuen Nationalgalerie vor.

Caroline Hervé alias Miss Kittin, 33, stammt aus Grenoble. Sie ist DJane und Musikproduzentin und hat in der Vergangenheit mit Künstlern wie Sven Väth und Laurent Garnier zusammengearbeitet. Zurzeit pendelt sie zwischen Paris und Berlin. Beim Gang durch die Ausstellung zog die Kunstwissenschaftlerin zunächst eins von Degas’ Ballerinen-Gemälden in Betracht, weil sie in ihrer Kindheit Ballettunterricht hatte. Kurzerhand entschied sie sich um: „Das wäre zu naheliegend.“

DIE KUNSTFREUNDIN: Dieses Gemälde ist einfach zeitlos, es könnte auch heute entstanden sein. Die Frau darauf wirkt sehr modern, wie ein Mädchen aus der Gegenwart, das von Männern umschwärmt wird. Sie scheint eine besondere Beziehung zu Modigliani gehabt zu haben, man könnte beinahe annehmen, dass sie eine Affäre mit ihm hatte. Die Szene wirkt jedenfalls sehr vertraut, da ist nichts Gekünsteltes. Als Musikerin interessiert mich die Entstehung von Kunst fast mehr als das Ergebnis, denn der kreative Prozess ist ein sehr intimer, der sich oftmals mit Sex verbindet. Zum Beispiel gibt es zahlreiche Musikbands, in denen sich Paare gebildet haben. Deshalb frage ich mich, was dem Maler durch den Kopf gegangen ist, als er dieses Werk schuf. Und darum mag ich dieses Gemälde so: Es zeigt einen sehr intimen Moment zwischen zwei Menschen und gibt dem Betrachter viel Raum für Spekulation.

DAS GEMÄLDE: Seine vielen Frauenakte machten Amadeo Modigliani (1884– 1920) berühmt. Der Maler stammte aus Italien, lebte aber bis zu seinem Tod in Paris. Seine Serie von insgesamt 30 Werken entstand ab 1916. Auf allen Bildern liegen die Frauen auf dunklen Decken, ihre Körper und Gesichter sind stilisiert und mit einer sehr dünnen schwarzen Linie nachgezeichnet. Mit der selbstbewusst zur Schau gestellten Nacktheit galten die Werke zur damaligen Zeit als äußerst provokant. Bei den Frauen handelte es sich durchweg um professionelle Modelle. (Infos aus dem Katalog)

Aufgezeichnet von Nana Heymann

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