Friedrichstadtpalast : Schwere Krise bei der leichten Muse

Bei dem Revuetheater in Berlins Mitte dreht sich das Personalkarusell immer schneller. Nachdem der künstlerische Leiter ausschied, drohen nun weitere Entlassungen.

Matthias Oloew

BerlinEigentlich wollte der Aufsichtsrat des Friedrichstadtpalasts über das Sanierungskonzept für das Revuetheater beraten. Stattdessen zog er unter Vorsitz von Kultur-Staatssekratär André Schmitz (SPD) die Reißleine. Ab 1. November übernimmt Berndt Schmidt als alleiniger Geschäftsführer das Haus. Die Doppelspitze aus dem künstlerischen Leiter Thomas Münstermann und seinem kaufmännischen Geschäftsführer Guido Herrmann ist damit passé. Münstermann scheide einvernehmlich aus, hieß es in einer Erklärung der Kulturverwaltung, Herrmann bleibt als Verwaltungschef.

Damit versucht der Senat die dramatische Lage des Hauses in den Griff zu bekommen. Allein in diesem Jahr gingen die Besucherzahlen um 15 Prozent zurück, ist ein Defizit von drei Millionen Euro aufgelaufen. Der Bustourismus, über viele Jahre eine sichere Bank, weil schon bis zu 70 Prozent der Karten von diesen Reiseveranstaltern gebucht wurden, ist weggebrochen.

Personalabbau werde nicht ausbleiben

Das soll Berndt Schmidt nun in den Griff bekommen. Der 43-Jährige war zuletzt für die Stage-Entertainment Leiter der Bühnen in Stuttgart, wo der Unterhaltungskonzern Musicals von "Mamma Mia“ bis "Die Schöne und das Biest“ spielen lässt. Schmidt wird sich wohlfühlen: Sein bisheriger Arbeitgeber betreibt das Theater des Westens, das Haus am Marlene-Dietrich-Platz und das Theater der Blue-Man-Group gegenüber. Heute Vormittag wird er der Belegschaft vorgestellt.

Dieser muss er jedoch ersteinmal schlechte Nachrichten überbringen: Personalabbau werde nicht ausbleiben, sagte der designierte Chef des Hauses der "Berliner Zeitung". Er fügte hinzu: "Über die Dimensionen habe ich noch keine Vermutung, aber angesichts der finanziellen Lage werden wir daran nicht vorbeikommen."

Der Senat erwartet Einsparungen und Verbesserungen im Marketing und Vertrieb. Aber: "Wir werden das Haus weiterhin mit jährlich 6,1 Millionen Euro fördern“, so Staatsekretär Schmitz. "Wenn nicht ein qualitatives künstlerisches Konzept mitgeliefert wird, sind mir die Millionen der Kulturförderung zu schade“, kritisierte hingegen Alice Ströver (Grüne) die Entscheidung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben