Stadtleben : Frische aus dem Filmtheater

Das Adlershofer Kino „Capitol“ öffnet nach 17 Jahren wieder – als Markthalle

Einst war es beliebt, doch in den letzten Jahren nahmen es die Adlershofer nur noch als Schandfleck wahr: Das Kino „Capitol“, das früher Publikum aus dem gesamten Ostteil Berlins in der Dörpfeldstraße lockte, verfiel zusehends. Seit 17 Jahren war es geschlossen. Doch mittlerweile strahlt das Gebäude wieder in frischen Farben. Handwerker gehen ein und aus. Das Capitol erlebt seine Renaissance als Markthalle. Hauseigentümer Michael Weltzer investiert 3,5 Millionen Euro für das neue Einkaufszentrum. Am Freitag soll Eröffnung sein.

Wie zu alten Kinozeiten leuchtet der Capitol-Schriftzug über dem Eingang, aber die Markthalle selber wird „En Detail“ heißen. Die Wände im ehemaligen Foyer sind geweißt, an einigen Stellen ist das historische Mauerwerk von 1880 freigelegt. Hier ist Platz für ein Café und einen Imbissstand. Der Gebäudeteil dahinter wurde entkernt, neue Zwischendecken eingezogen damit Platz ist für die Stände, an denen Kaffee, Obst, Feinkost, Backwaren und Spezialitäten aus ganz Europa verlauft werden. „Es soll ein Ort der Sinne werden“, verspricht der 42-jährige Weltzer, der ein Ingenieurbüro in Adlershof betreibt. Auf etwa 800 Quadratmetern haben 40 Stände Platz. 80 Prozent der Fläche sind vergeben. Weltzer hat bei der Auswahl seiner Mieter darauf geachtet, dass sie exklusive Waren verkaufen. „Wir wollen das Angebot eines Supermarkts nach oben hin ergänzen“, sagt er. Dafür wird es allerdings auch teurer.

Auf dem gegenüberliegenden Wochenmarkt fürchtet man die Konkurrenz nicht. Die Händler dort liegen mit ihren Preisen unter dem Niveau im „En Detail“. Aber nicht nur das beruhigt sie: „Wir haben vor allem Stammkunden, die gehen nicht so gerne woanders hin“, sagt Inge Mayer, die Unterwäsche verkauft. Ein älteres Ehepaar bestätigt die Verkäuferin: „Da kommt nur was rein, was wir gar nicht brauchen“, sagen sie. Das ehemalige Kino hat neben Einkaufen aber noch mehr zu bieten. „Gesund leben heißt, sich zu bewegen, zu erholen und gesund zu ernähren,“ findet Weltzer. Deswegen gibt es im mittleren Stockwerk ein Fitnessstudio und Erholungsräume mit Dampfbädern, Lichttherapie und Kamin. Im oberen Stock sind Wohnungen untergebracht. Weltzer glaubt an den Erfolg seines Konzeptes, das er eines Tages deutschlandweit vermarkten will. „Wir sind hier so eingebettet, dass es funktionieren kann. Die Kaufkraft kehrt zurück.“ In der Nähe haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Arbeitgeber angesiedelt wie die Wirtschaftsstadt Wista, zu der es auch einen Bus-Zubringer geben soll. Selbst die Angestellten der weiter entfernten Standorte des Bundesgrenzschutzes und der Allianz-Versicherung sieht er als potenzielle Kunden: Viele von ihnen wohnen in Adlershof, sagt Weltzer.

Nur fürs Kinoerlebnis kann das im Bezirk erarbeitete Geld immer schwerer ausgegeben werden. Im Kiez gibt es nur noch das „Casablanca“ um die Ecke. Großes Kino könnte es im 1933 als Filmtheater eröffneten Capitol dennoch geben: Weltzer will im Innenhof ein Sommerkino einrichten. mj

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