Stadtleben : Frischer Westwind

Nordrhein-Westfalen in Berlin gründen ihren eigenen Verein

Elisabeth Binder

Eine frische Brise von Westen versprechen engagierte Nordrhein-Westfalen in Berlin. Künftig wollen sie als Verein Werbung machen für ihr Land und seine Unternehmen und interessanten jungen Künstlern aus ihrer Heimat in Berlin eine Plattform schaffen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Christina Rau und „StäV“-Wirt Friedel Drautzburg. Mit der Eröffnung ihrer Landesvertretung haben sich die Nordrhein-Westfalen nach dem Verlust des Regierungssitzes bewusst lange Zeit gelassen. Während die Baden- Württemberger in Berlin bereits einen Verein mit rund 450 Mitgliedern haben, ließen es die Nordrhein-Westfalen langsam angehen mit der Organisation ihrer gemeinsamen Interessen.

Ditmar Gatzmaga ist in der Landesvertretung zuständig für Kooperationskonzepte zwischen großen Unternehmen und der Politik und außerdem den neuen Verein namens „Westwind“. Er sagt: „Wir sind stolz auf das Land, aus dem wir nach Berlin gekommen sind und wollen das zum Ausdruck bringen, schon um das Image zu verbessern.“ Viele Berliner hätten noch völlig falsche Vorstellungen, verbänden gerade die Region Ruhrgebiet mit ständigem Abstieg. Dass aus der Krise längst ein neuer Aufstieg geworden ist, sei einfach noch nicht bekannt genug. „Das Kulturfestival Ruhr-Triennale kennt man in New York besser als in Berlin.“ Wirtschaftliche Aspekt sind noch unbekannter. So sei vielen nicht bewusst, dass NRW mit Thyssen-Krupp beim Stahl zur Weltmarktspitze gehört. „Bei uns können Qualitäten produziert werden, die es anderswo so nicht gibt, und die Nachfrage durch China und Indien steigt.“ Auch solche Dinge sind Themen für die Sympathiewerbung. Nordrhein-Westfalen in Berlin sahen sich schon vor dem Fall der Mauer zum Teil augenzwinkernd als stabilisierendes Element, im Vergleich etwa zu den Schwaben, deren Heimat der Ruf vorauseilte, so eine Art Autonomen-Exportland zu sein.

Ausdrücklich will der Verein junge Menschen und Projekte fördern. Bei der ersten Mitgliederversammlung stand Kabarett von dem noch jungen Künstler Ludger K. aus Duisburg auf dem Programm. „So jemanden kann man ja auch mal weiterempfehlen." Auch das wäre ein Job für NRWs Hobbybotschafter. Rund 130 Mitglieder hat der Verein schon jetzt, innerhalb eines Jahres soll sich die Zahl verdoppeln und in vier Jahren vielleicht bei 1000 liegen. Man muss nicht unbedingt in NRW geboren sein, um Mitglied zu sein. Willkommen ist auch, wer NRW gut findet, mal zum Fußball gucken ins Westfalenstadion nach Dortmund fährt oder zum Shopping nach Düsseldorf oder beruflich an den Rhein oder die Ruhr verschlagen wurde, wie Vorstandsmitglied Annette Kreutziger-Herr, die von Berlin aus als Professorin an die Hochschule für Musik nach Köln ging. Es reicht, Nordrhein-Westfale im Herzen zu sein. Vereinslokale, die Infomaterial bereit halten, hat der Verein natürlich auch schon, an der Spitze die „Ständige Vertretung des Rheinlandes“, besser bekannt als StäV, aber auch das Gaffel Haus am Gendarmenmarkt und das Maxwell. Das Büro des Vereins findet sich im ältesten Haus von Wilmersdorf im Schoeler-Schlösschen in der Wilhelmsaue 126, wo auch die Privatbibliothek von Johannes Rau untergebracht ist.

Jede Menge Pläne für Vereinsaktivitäten gibt es natürlich auch schon. Vom obligatorischen Stammtisch mal abgesehen sollen „Kulturpralinen aus NRW“ für interessante Künstler aller Sparten eine hauptstädtische Plattform schaffen, als Einsteins Enkel, sollen Nachwuchswissenschaftler eingeladen werden. „Wer kennt schon das Gründerzentrum in Dortmund mit 200 jungen Unternehmen in innovativen Branchen wie Medizintechnik oder Bio- und Gentechnologie?“, fragt Gatzmaga. Nordrhein-Westfalens Botschafter werden das ändern.

Viele gebürtige NRWler, die früher Berlin mit Vorurteilen begegneten, haben hier ein neues Leben und neue Liebe gefunden, wie Friedel Drautzburg, der stolze Vater einer jungen Berlinerin oder auch Ditmar Gatzmaga, der seine Frau in Frankfurt/Oder kennen lernte. Nachdem sich alle etabliert und eingerichtet haben, bleibt nun Zeit, am Image der alten Heimat zu polieren. Und der „Westwind“, so der Name des Vereins, gibt den richtigen Schwung dazu. Elisabeth Binder

Mehr Informationen im Internet

unter www.westwind-ev.de

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