Stadtleben : Frischer Wind in den Clubs

Ob Feiern auf der Dachterrasse oder am Strand der Spree – Freiluftfans entfliehen dem stickigen Nachtleben

Nana Heymann

Das Week-End ist bislang vielleicht nicht der größte unter den Berliner Clubs, dafür aber der höchste. Diesem Ruf sind seine Betreiber Marcus Trojan und Oskar Melzer nun einmal mehr gerecht geworden: Am vergangenen Wochenende eröffneten sie im Haus des Reisens am Alexanderplatz die Dachterrasse. Künftig können ihre Gäste nicht nur im 12. und 15. Stockwerk des Gebäudes feiern, sondern sich auch noch ganz oben frischen Wind um den Kopf wehen lassen, mit freiem Blick auf den Fernsehturm. Ob Trojan und Melzer mit der neuen Open-Air-Bar zugleich die bevorstehenden Auflagen zum Nichtraucherschutz erfüllen, ist allerdings unklar. An Zigarettenqualm dürfte sich unter freiem Himmel aber eigentlich niemand stören.

Klar hingegen ist, dass Berlins Partygänger zunehmend Gefallen am Feiern unterm Sternenzelt finden. Waren Partyorte mit direktem Austritt in die Nacht bis vor kurzem noch eine Seltenheit, so steigt ihre Zahl seit kurzem stetig. Über zwei Freiluftbereiche verfügt etwa das 40 Seconds an der Potsdamer Straße. Betreiberin Jennifer Michaels hat ihrem Club unlängst anlässlich seines zweiten Geburtstags ein neues Outfit gegönnt. „Er hat eine Verjüngungskur gebraucht“, sagt die Chefin. Für mehrere zehntausend Euro ließ sie den Innenbereich des Ladens im achten Stock mit hellen Farben und neuen Möbeln umgestalten. Profitiert haben davon auch die beiden Terrassen: Da, wo früher Liegestühle standen, befinden sich nun helle Ledersofas. Wer jedoch durch die Tür ins Freie tritt, der will nicht sitzen. Der will an der Brüstung stehen und den Blick auf die Philharmonie und das Sony-Center genießen.

Gegen den Ausblick auf die westliche City bleibt das Bangaluu an der Invalidenstraße in Mitte etwas zurück. Wer hier die Terrasse betritt, sieht auf der gegenüberliegenden Seite eine alte Bauruine, aber Romantiker können dem natürlich auch etwas abgewinnen. Zudem ist das sanfte Plätschern eines eigens hergerichteten Miniteiches zu hören. Neben dem Blick auf den Sternenhimmel verstärkt das beim Großstädter das Gefühl der Naturverbundenheit. Die Gäste, die zum einjährigen Bestehen des Clubs auf den großen Lounge-Betten lümmelten, machten jedenfalls einen begeisterten Eindruck.

Nun gibt es in Berlin auch Clubs, die sich nicht in luftiger Höhe befinden und die Möglichkeit zum Anbau haben. Deren Betreiber haben sich einiges einfallen lassen, um im Sommer dem gesteigerten Frischluftbedarf der Besucher gerecht zu werden. Das Spindler & Klatt an der Köpenicker Straße in Kreuzberg etwa hat den Außenbereich mit hellen Segeln überdacht und Liegestühle aufgestellt. Nirgendwo sonst kann man die Spree so lässig an sich vorbeiziehen lassen.

Auf die entspannende Wirkung von Wasser setzten auch die Betreiber des Strandguts an der Mühlenstraße in Friedrichshain. An der Spree haben sie helle Zelte und Palmen aufgestellt, vom Sage Club kommen Technik und Erfahrung. Nachdem es am Eröffnungswochenende vor zwei Wochen wettermäßig noch recht stürmisch zuging, dürfen sich die Gäste nun auf Karibik-Feeling freuen.

Auf urbanes Flair setzt hingegen das Watergate an der Falckensteinstraße in Kreuzberg. Die Betreiber des Clubs haben einen Ponton auf der Spree errichten lassen, zur Sicherheit der Gäste ist es mit einem hüfthohen Geländer versehen. Von einem Sprung über die Brüstung ist aufgrund der Wasserqualität ohnehin abzuraten. Dafür empfiehlt sich eher das Badeschiff der Arena in Treptow. Das ist täglich ab 8 Uhr geöffnet – bei gutem Wetter bis spät in die Nacht hinein.

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