Frühlingsanfang : Winter ade

Heute ist Frühlingsanfang, ist die Kälte nun vorbei? Laut Statistik war alles eh halb so wild.

Daniel Stender
Fruehling
Endlich Sonne! Am Nollendorfplatz genießen Café-Besucher den Frühling. -Foto: David Heerde

20. März – Frühlingsanfang! Endlich raus aus der Besenkammer! Gefühlte zehn Monate Dunkelheit und Kälte sind hoffentlich vorbei. Wobei – mit dem Winter ist es wie mit den kriminellen Jugendlichen: Seit Jahren sagen die Statistiker, sie seien gar nicht so schlimm. Zwischen 1998 und 2006 ist die Jugendkriminalität nämlich statistisch gesunken. Und doch denken alle Leute das Gegenteil. Genauso sagen die Meteorologen und ihre Statistiken, dass der Winter 2008/09 nicht wirklich kalt und lang gewesen sei: „Es war ein ganz normaler mitteleuropäischer Winter“, sagt Axel Weingart, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Potsdam. In Berlin lag die durchschnittliche Temperatur in diesem Winter bei 0,2 Grad. 0,4 Grad sind der langjährige Durchschnitt. In Brandenburg sah es ähnlich aus.

Das Gute an Statistiken ist aber auch, dass sich mit ihnen jede Aussage belegen lässt. Denn der Winter 2008/09 war tatsächlich besonders dunkel. In Zehdenick in Brandenburg nördlich von Berlin beispielsweise schien zwischen Dezember und März nur 98 Stunden lang die Sonne. Im Voralpenland waren es knapp 270. Und die Wetterstation in Berlin Tempelhof hat in diesem Februar lediglich knapp 30 Sonnenstunden gezählt – 2008 waren es mehr als 92.

Von der Schneemenge her war der Winter 2008/09 erstaunlicherweise normal – keinesfalls so extrem wie 1979, sagt Axel Weingart. Damals lag die Schneedecke im Februar bei 53 Zentimeter, in diesem Jahr waren es nur 17 Zentimeter. Und der Schnee lag auch nicht besonders lang: 18 Tage im Januar und 15 Tage im Februar. 1979 hielt die Schneedecke durchgängig von Januar bis März, sogar im Mai fiel noch Schnee.

Andererseits machten die zwischen Frost und Tauwetter schwankenden Temperaturen den Winter gerade für Autofahrer besonders hart. Denn bei niedrigen Temperaturen gefriert das durch Risse in den Straßenbelag eingesickerte Wasser und sprengt den Unterbau der Straßen. Mit steigenden Temperaturen beginnt der Belag dann zu bröseln. Schlaglöcher tun sich auf. Ein Albtraum für die Berliner Verkehrsstadträte, deren gefühlte Körpertemperatur angesichts der kostspieligen Schäden steil in die Höhe steigt.

Auch für die gefühlte Temperatur gibt es eine Statistik des Deutschen Wetterdienstes. Den sogenannten Klima-Michel. Michel ist der statistische Durchschnittsmensch. Er ist 35 Jahre alt, 1,75 groß und 75 Kilogramm schwer. Auf diesen Michel wirken die unterschiedlichsten Faktoren ein: Aktivität, Wärmeisolation der Bekleidung, Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit. All diese Faktoren beeinflussen, wie sich Michel fühlt. Zwischen 0 und 20 Grad meist „behaglich". Bei 21 Grad fühlt er sich ein wenig unbehaglich, bei Minusgraden sowieso.

Der heutige Frühlingsanfang soll ganz schön werden, sagt Margot Petzold vom Deutschen Wetterdienst. Das Hochdruckgebiet „Moema“ sorgt für trockenes Wetter, allerdings bringt ein schwacher Nordwind recht kalte Temperaturen. 6 Grad sollen es in Berlin werden. Normal wären nur zwei Grad mehr, nämlich 8 Grad. In der Nacht zu Samstag kann es sogar wieder frieren. Bis zu minus 5 Grad in Brandenburg, minus 1 in Berlin. Unbehaglich. Also doch wieder zurück in die Besenkammer? Ach was, wird bestimmt gar nicht so schlimm.Daniel Stender

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