Stadtleben : Für Leisetreter und Bindungsfähige

In der Hafenbar gibt es eine Turnschuhbörse

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Schuhverrückt. Hikmet Sugoer (vorne) mit seinem Bruder Sükret im Laden. Foto: Klaas

Ein Turnschuh, der in der Sonne seine Farbe ändert, einer, der im Dunkeln leuchtet oder einer aus Schlangenleder. Die Fantasie von Hikmet Sugoer kennt offenbar keine Grenzen. Der 37-Jährige ist nicht nur ein Turnschuhnarr, er macht aus ihnen kleine Kunstwerke und verkauft sie an Menschen, die oftmals wie er selbst um die 400 Paare im Schrank stehen haben. Was man damit macht? Anziehen, angucken oder tauschen, sagt Sugoer. Für Letzteres veranstaltet der Inhaber des kleinen Sneakerladens „Solebox“ heute zum vierten Mal die Turnschuhtauschbörse „Solemart“ in der Hafenbar in Mitte.

Turnschuhe tauschen, das mag für jemanden, der zwei bis fünf Paar stinkende Sneakers für den täglichen Gebrauch im Schrank stehen hat, merkwürdig erscheinen. „Es ist nichts anderes als eine Uhren- oder Münzbörse“, erklärt Sugoer. Turnschuhliebhaber können stundenlang stöbern und stoßen nicht selten auf Sammlerstücke, nach denen sie seit Jahren gesucht haben. Stinkende alte Treter wird dort niemand zum Verkauf anbieten, die meisten sind ungetragen. „Bei uns im Laden ist es schon fast normal geworden, dass die Leute zwei Paar kaufen“, erzählt Sugoer. Eins zum Tragen und eins zum Wegstellen. Das zweite kann zum lukrativen Tauschobjekt werden. Schuhe, die in seinem Laden in der Nürnberger Straße 150 Euro kosten, können im Internet oder bei der Tauschbörse über 1000 Euro bringen, vor allem, wenn die Auflage begrenzt ist.

Solche limitierten Sammlerstücke selbst zu designen, ist Hikmet Sugoers große Leidenschaft. Damit hat sich der in Deutschland geborene Türke bei den großen Schuhfirmen einen Namen gemacht. Sie kommen inzwischen auf ihn zu. Sugoer experimentiert mit Farbe, Material, baut Gimmicks ein, auf die sonst niemand kommt. Die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus. Geld verdient er damit nicht. Sugoer denkt wie ein Künstler, der um die Freiheit seiner Kreativität fürchtet, sobald er versucht, mit seiner Kunst Geld zu verdienen. Er glaubt, dass es nur dann funktioniert, wenn er es zum Spaß macht. Und niemand soll ihm hereinreden können.

Deswegen hat er mit seinem älteren Bruder Sükret den Laden in der Nürnberger Straße aufgemacht. Schuhverrückte Kunden spüren seine Leidenschaft und profitieren von seinem Know-how. 300 bis 500 unterschiedliche Modelle stehen dort, und noch einmal so viele zu Hause in seinem Schrank. Auf seiner Tauschbörse wird er heute auf Leute treffen, die das bei Weitem übertreffen können. Doch auch wer nur fünf abgetragene Paar im Schrank hat, ist willkommen. Hauptsache, er trägt Turnschuhe. Anke Myrrhe

Solemart 4, heute ab 16 Uhr in der Hafenbar, Chausseestraße 20 in Mitte.

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