Fußball-EM : Tortillas zum Anpfiff

Im ältesten spanischen Restaurant "El Borriquito“ feuerten die Iberer ihr Team an. Hier treffen sich sonst die Real-Madrid-Fans bei Tortillas und spanischem Fischtopf.

Spanische Kneipe
Torjubel. Fans der spanischen Mannschaft feierten im "El Borriquito". -Foto: David Heerde

An den Wänden hängen Schals und T-Shirts in Weiß und Lila – den Vereinsfarben von Real Madrid. Am Tresen steht neben dem Zapfhahn ein Fernseher mit Großbildschirm, und in der Küche werden Garnelen gebrüht, Tortillas gebacken und Spanischer Fischtopf gekocht: Berlins ältestes spanisches Restaurant, das „El Borriquito“ an der Ecke Kant- und Wielandstraße in Charlottenburg, ist nicht erst seit gestern voll auf Fußball getrimmt. „Normalerweise treffen sich bei uns die Real-Madrid-Fans, zu denen in Berlin auch einige Deutsche gehören“, sagt die Wirtin Bilar Antelo.

Doch am Sonnabend sitzen und stehen im „El Borriquito“ alle dicht gedrängt, um das EM-Spiel zwischen Schweden und Spanien zu verfolgen. Und der Jubel ist schließlich groß, nach dem Führungstreffer für die eigene Elf. Seit 24 Jahren betreiben Bilar Antelo und ihr Mann Pepe den traditionellen Spaniertreff. Und da sie selbst beim Kochen und Bedienen begeistert „Gol!“ (Tor) rufen, wenn ihr Fußball-Team einen Treffer erzielt, hat sich das Borriquito in der spanischen Fanszene schnell einen Namen gemacht. Etliche populäre Vereins- und Nationalspieler aus der Heimat waren schon zu Gast und haben die T-Shirts an den Wänden signiert.

Nachdem David Villa drei der vier Tore bei Spaniens glorreichem EM-Auftaktspiel gegen Russland geschossen hatte, gingen die spanischen Zuschauer ohnehin optimistisch ins zweite Match. Schon vor Beginn des Spiels, aber erst recht nach dem Abpfiff wurde von den Schweden an allen Tischen viel Respekt gezollt. Das verstand sich schon alleine aus Gründen der guten Gastfreundschaft. Denn unter ihnen war gestern Abend auch ein Schweden-Fan.

Auch von Berlinern kam der Jubel

In vielen anderen spanischen Restaurants und Kneipen liefen gestern gleichfalls die Fernseher, „obwohl die meisten Spanier Fußball am liebsten zu Hause im Kreis der Familie gucken“, sagt Kellner Eduardo Illanes vom „Mar y Sol“ am Savignyplatz. Er selbst fuhr nach dem Dienst zu Freunden nach Prenzlauer Berg.

Doch auch Berliner feuerten die Mannschaft von der Iberischen Halbinsel an. Christian Gaebler zum Beispiel, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Abgeordnetenhaus. Sogar ein Trikot mit den Nationalfarben zog er sich an, und dann machte er sich’s mit Freunden gemütlich in seiner Tapas-Bar „Sol y Sombra“ am Oranienplatz in Kreuzberg.

Denn Gaebler hat neben seinem Parlamentsjob Gastronom. Allerdings ist er, wenn die Mannen von Bundestrainer Löw spielen, auch für die deutsche Nationalmannschaft. Aber Spanien ist für ihn der zweite Favorit. (CS)

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