Fußball-WM : Afrikanische Gemeinde in Berlin hält geschlossen zu Ghana

Am Freitag tritt Ghana gegen Uruguay an, als letzte afrikanische Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft. In Berlin vereint das Spiel Afrikaner aus unterschiedlichen Ländern in der Hoffnung, dass Ghana weiterkommt.

Leila Samodien
Ghanaische Fans feiern ihre Mannschaft in Acra, der ghanaischen Hauptstadt. In Berlin wird die Mannschaft von der gesamten afrikanischen Gemeinde unterstützt.
Ghanaische Fans feiern ihre Mannschaft in Acra, der ghanaischen Hauptstadt. In Berlin wird die Mannschaft von der gesamten...Foto: dpa

Viele waren anfangs skeptisch, was die erste Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden angeht. Aber während Südafrika zeigen konnte, dass die Bedenken umsonst waren, ist das den meisten der sechs afrikanischen Teams im Turnier nicht gelungen. Ghana ist das einzige afrikanische Team, das es bis in die Finalrunde geschafft hat. Was die Weltmeisterschaft betrifft, gelten die Ghanaer als die „letzte Hoffnung“ des Kontinents. Es scheint, dass die afrikanische Fußballfans – darunter auch die vielen, die in Deutschland leben – diese Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Viele in Berlin lebende Afrikaner sagen, dass sie Ghana unterstützen werden „bis ins Finale“.

Ghana ist das erste Mal im Viertelfinale

Allerdings wird es für das westafrikanische Team nicht einfach, da hinzukommen. Freitagabend trifft die Mannschaft auf Uruguay. Doch auch wenn es ein hartes Spiel wird, sind die Ghanaer zuversichtlich. Allen voran der ghanaische Botschafter in Berlin, Paul King Aryene. Er sagt, dass das Team eine gute Chance hat, weiterzukommen. Ihre Fähigkeiten hätten sie schon am Samstag beim Sieg über die USA gezeigt. Für die Mannschaft ist es das erste Mal, dass sie ins Viertelfinale gekommen sind. „Nicht nur Ghana ist glücklich, dass das Team so weit gekommen ist“, so Aryene, „ganz Afrika freut sich darüber.“ Aryene zufolge ist das Team jung, sodass ihnen zwar Erfahrung fehle, doch genau diese Jugend werde ein Vorteil sein, was Kraft und Energie angeht. „Ich denke, jedes Team, auf das wir treffen, sollte vorsichtig sein. Uruguay ist ein starkes Team, aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie schlagen werden“, sagt er.

Afrikaner aus unterschiedlichen Länder unterstützen Ghana

Als Ghanaer in Berlin ist Aryene mit seiner Unterstützung für die „Black Stars“ nicht allein, die Fußballmannschaft ist hier bekannt. Etwa 3.000 Ghanaer leben in Berlin, so Aryene und weitere 17.000 im restlichen Deutschland, die meisten von ihnen in Hamburg.
„Ich denke, sie können gegen Uruguay gewinnen; ich hoffe wirklich, dass sie gewinnen können“, sagt der Ghanaer Andrews Akuamoah, der einen Laden in Wedding hat. „Falls sie mich fragen, tippe ich auf ein 2:1 für Ghana.“
Ike Kingsford, dem ein beliebtes ghanaisches Restaurant und die Bar „Rock House“ in Wedding gehören, war enttäuscht, dass nicht mehr afrikanische Teams in die Ausschlussrunden gekommen sind, gerade weil es die erste Fußballweltmeisterschaft in Afrika ist. Allerdings glaubt er, dass die Tatsache, dass nur eine afrikanische Mannschaft im Turnier geblieben ist, die Afrikaner in Berlin zusammenschweißt. „Afrikaner neigen dazu, sich an ihre eigene Gemeinschaft zu halten, gerade, wenn es um Feiern oder Unterhaltung geht: Ghanaer mit Ghanaern, Ugander mit Ugandern“, sagt er, „aber Fußball bringt uns zusammen, es bringt alle zusammen. Wenn afrikanische Mannschaften spielen, ist mein Restaurant voll mit Leuten aus verschiedensten afrikanischen Ländern. Jetzt, wo nur noch Ghana spielt, unterstützen alle Afrikaner die Mannschaft gemeinsam. Das ghanaische Team trägt das Gewicht Afrikas auf seinen Schultern.“

Die ghanaische Botschaft lädt zum Public Viewing

Botschafter Aryene sieht das genauso. Fußball habe die Kraft, die Menschen zu vereinen: „Fußball überwindet Herkunft und Religion. Ich bin nicht verwundert über die starke Unterstützung, die wir von anderen Ländern bekommen. Sogar Deutsche haben für Ghana gejubelt.“ Sissoko Harouna aus Mali, der im Afrika Haus bei der Organisation hilft, sagt, dass viele afrikanische Länder hinter Ghana stehen – er selber auch. „Jeder Afrikaner hier sagt jetzt: ‚Ich habe nur ein Team’. Ghana ist unsere Hoffnung in Afrika, unsere letzte Hoffnung kann man sagen.“ Die Unterstützung für Ghana nimmt auch im Gastgeberland zu, wo Politiker und Organisationen Südafrika aufrufen, die „Black Stars“ zu unterstützen.
Sollte Ghana ins Halbfinale kommen, will die ghanaische Botschaft in der Stavangerstraße, ein Public Viewing anbieten. Aryene versichert: „Da ist jeder willkommen, egal aus welchem Land er kommt.“

Leila Samodien ist Stipendiatin der Internationalen Journalisten Programme beim Tagesspiegel. In ihrer südafrikanischen Heimat arbeitet sie für die Wochenzeitung "Week-End Argus" in Kapstadt.

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