Gänsehaut inklusive : Stasireportage mit Jürgen Schreiber

Die Mächtigen von gestern sind noch da. "Sie sitzen an Tischen mit Häkeldeckchen und entpuppen sich als unbelehrbar.“: Jürgen Schreiber, ehemals Chefreporter des Tagesspiegels, hat für seine Reportagen viele ehemalige Stasi-Oberen besucht.

 „Gänsehaut-Begegnungen“ nennt er diese Treffen, die stets in beklemmender Atmosphäre stattfanden. „Man wünscht seinem ärgsten Feind nicht, sonntagmorgens bei einem Ex-General klingeln zu müssen und ihn nach einem Mann zu fragen, der von der Stasi in eine Falle gelockt und in Dresden geköpft wurde.“

Aber die Täter von einst leben noch unter uns, und sie wollen sich „ihre“ DDR nicht nehmen lassen. Jürgen Schreiber hat seine Reportagen, die er zunächst im Tagesspiegel veröffentlichte, jetzt als Buch herausgebracht. In „Die Stasi lebt – Berichte aus einer unterwanderten Republik“ (Knaur Verlag, 225 Seiten, 8,95 Euro) erzählt er davon, wie die Stasi Politiker, Schauspieler und normale Menschen ausspionierte – und wie die Spitzel heute damit umgehen.

Im Salon, der diesmal im Informationszentrum der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen stattfindet, liest Jürgen Schreiber aus seinem Buch. Und er spricht mit Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller und dem Stasi-Historiker Jens Giesecke über die labyrinthischen Verflechtungen des Parallel-Universums Stasi, von denen die Bundesbürger nichts und DDR-Bürger nur manches ahnten. Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, wird ein Grußwort sprechen.

Salon-Besucher können vor der Lesung die Stasi-Ausstellung besichtigen, die mit Schautafeln, „Geruchskonserven“, Wanzen und getarnten Kameras anschaulich macht, wie die Stasi ein ganzes Volk bespitzelte. Es gibt ein warmes Abendessen und Getränke, serviert von eßkultur. D. N.

Zeitung im Salon mit Jürgen Schreiber am Mittwoch, 3. Juni, 19.30 Uhr, im Informations- und Dokumentationszentrum der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Mauerstraße 38 in Mitte. Gelegenheit zur Besichtigung der Stasi-Ausstellung ab 18.15 Uhr, um 18.45 Uhr: Kurze Einführung zur Ausstellung. Essen und Getränke: 14 Euro. Anmeldung ist erforderlich unter Tel. 26009 582 ab dem 26. Mai (von 7.30 Uhr bis 20 Uhr). Weitere Infos unter www.tagesspiegel.de/salon

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