Stadtleben : Ganzkörperlatex im Amtsgericht

Vier Nachwuchsdesigner und ein Überflieger zeigen heute ihre Mode

Der Star des Abends ist verschnupft. Deshalb trägt Gareth Pugh einen pelzgefütterten Mantel. Das passt zum Ambiente des überdekorierten Foyers im Amtsgericht, wo heute Abend vier junge Designer zum ersten Mal ihre Kollektionen vor großem Publikum präsentieren dürfen – und eben Gareth Pugh. Eingeladen hat ihn das französische Champagnerhaus Moët & Chandon für das Showfinale des Nachwuchswettbewerbs „Fashion Debut“.

Dass die Veranstalter Pugh gebucht haben, ist ein bisschen gemein. Er wird die anderen ein wenig aussehen lassen wie Waisenkinder in ärmlichen Kleidern. Immerhin gilt Gareth Pugh als das größte Designtalent Großbritanniens, seit Vivienne Westwood, John Galliano und Alexander McQueen sich aufmachten, das Pariser Mode-Establishment zu erobern. Endlich jemand, der die britische Tradition der exzentrischen Mode fortführt, jubelt die britische Presse.

Gareth Pugh macht untragbare, aufsehenerregende Kleidung: aufgeblasene schwarze Trenchcoats aus PVC, Kleider aus transparentem Plexiglas, silberfarbener Ganzkörperlatex und Umhänge, aus aneinandergenähten Nerzratten. Der Schockrocker Marilyn Manson fühlt sich in seinen Entwürfen wohl und Popdiva Kylie Minogue ließ sich Bühnenkostüme bei Pugh schneidern. Kein Wunder, dass sich Gareth Pugh fürs Nachtleben interessiert. Allerdings hat das rein private Gründe: „Weil ich tagsüber arbeite, muss ich meine Freunde nachts treffen, um mein soziales Leben aufrechtzuerhalten.“ Von den Berliner Clubs hatte er so viel großartiges gehört, dass er sich vor vier Jahren mit ein paar Freunden gleich für eine Woche in einer Jugendherberge einmietete. „Wir hatten keine normale Kleidung dabei – nur lustige Cluboutfits. Eins sah aus wie ein Bündel Brüste. Berlin war dann leider etwas enttäuschend“, sagt Pugh und fügt mit britischer Höflichkeit hinzu: „Vielleicht lag es am Wetter.“

Auch sonst bleibt Gareth Pugh zurückhaltend. Wenn es nach ihm ginge, solle der Abend ganz dem Nachwuchs gehören, dem der 26-Jährige noch bis vor kurzem angehörte: „Ohne so einen Wettbewerb hätte ich es nie geschafft.“ Immerhin haben die vier jungen Designer aus Wien, München, Wolfurt und Hannover monatelang für diese Modenschau geschuftet. Je 20 Outfits werden sie heute im Foyer des Amtsgerichts vorführen.

Im siebten Jahr des „Fashion Debut“ gibt es übrigens eine kleine Sensation - zum ersten Mal ist kein Berliner Designer dabei. Bisher dominierten die Lokalmatadoren. Viele von ihnen haben inzwischen Karriere gemacht, wie Kaviar Gauche, C.Neeon, Penkov und Sisi Wasabi. Vielleicht hat sich also einfach herum gesprochen, dass die Chancen nach der Teilnahme gut stehen, sich als Designer zu etablieren. Das beste Beispiel dafür ist Gareth Pugh. GTH

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