Gastronomie : Ekelliste schrumpft – wegen Computerausfalls

Die Wirklichkeit in der Pankower Gastronomie ist noch immer schmutziger, als sie in der Ekelliste des Pankower Bezirksamts erscheint: 15 Lokale sind aufgelistet - dabei müssten es eigentlich viel mehr sein. Ein Computerfehler ist offenbar Schuld.

Berlin15 Lokale und Imbisse sind derzeit auf den Internetseiten des Bezirks gelistet – samt unappetitlichen Fotos von vergammelten Tomaten, zu warm gelagertem Frischfleisch und Spinnweben. Das sind zwar so wenige wie nie, seitdem Pankow Anfang März erstmals Schmuddelrestaurants namentlich und unter Nennung des Vergehens öffentlich gemacht hatte. Damals führte die Negativliste 39 Betriebe auf. Anfang Mai fügte das Bezirksamt illustrierende Fotos hinzu. Damals standen 23 Lokale auf der Liste.

Den Tiefststand wertet Bezirksstadtrat für öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), zwar durchaus als Erfolg des eingeschlagenen Weges. „Die Sensibilität der Wirte ist in den letzten Monaten deutlich gewachsen.“ Allerdings gibt er zu, dass das momentane Bild schief sei. Tatsächlich müssten aktuell deutlich mehr Betriebe – nämlich ungefähr 30 – im Internet gelistet sein. Aufgrund von Computerproblemen sei das nicht der Fall. Weil berlinweit ein neues Datenbanksystem eingeführt worden sei, hätten seine Lebensmittelkontrolleure seit Anfang Mai keine aktuellen Daten eingeben können. „Wir durften das alte System nicht mehr benutzen“, sagt der Stadtrat. Diese Einträge der Kontrolleure sind allerdings ein notwendiger Baustein in den Anhörungsverfahren mit betroffenen Gastwirten. Deshalb sind derzeit im Internet nur Vorgänge dokumentiert, die mindestens seit Ende April zurückliegen. Seit Beginn dieser Woche funktioniere die neue Software, so Kirchner.

Während viele Wirte nach erheblichen Bemühungen um mehr Sauberkeit von der Ekelliste verschwanden, kristallieren sich inzwischen auch hartnäckige Fälle heraus. In einem indischen Restaurant, dessen Rattenbefall vom Sommer 2008 Schlagzeilen machte, war die Hygiene Ende April erneut mangelhaft. Ein Szeneitaliener und die Filiale eine Kaffeekette an der Schönhauser Allee sind immer noch gelistet. Ein Lokal binde die Ekelliste sogar in seine Werbestrategie ein, berichtet Kirchner. Gäste würden dort gezielt darauf hingewiesen, in einem ausgewiesenen Schmuddelrestaurant zu schlemmen. „Wir nehmen’s sportlich“, sagt Kirchner. (wek)

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