"Geben gibt" : Ehrenamt statt Aspirin: Helfer leben länger

Prominente unterstützen Freiwilligen-Kampagnen "Geben gibt" und "Aktive Bürgerschaft".

Elisabeth Binder

Wer anderen hilft, lebt fünf bis sieben Jahre länger als der Durchschnitt. Für Eckart von Hirschhausen, der dieses Ergebnis einer Studie gestern beim Auftakt der Kampagne „Geben gibt“ im Haus der Bundespressekonferenz erwähnte, gibt es daraus nur einen Schluss. „Statt Aspirin müssten die Ärzte viel öfter ein Ehrenamt verschreiben.“ Der Arzt, Bestsellerautor und Kabarettist hat selber die Stiftung „Humor hilft heilen“ gegründet.

Stiften, spenden und freie Zeit geben für andere, das soll künftig noch mehr Anerkennung finden. Deshalb haben sich große gemeinnützige Dachverbände zusammengeschlossen, um die 23 Millionen Freiwilligen, die sich bereits irgendwo einsetzen, mehr ins Licht zu rücken und noch mehr Menschen zum ehrenamtlichen Engagement zu motivieren.

Bereits am Mittwochabend erinnerte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee in seiner Laudatio bei der Verleihung des Förderpreises Aktive Bürgerschaft im Forum der DZ-Bank am Pariser Platz daran, dass der Einsatz Einzelner für das Gemeinwohl unverzichtbar ist: „Wir aus der DDR haben schon 1989 dauernd gerufen, dass der Einzelne mehr Verantwortung übernimmt.“ Bildung stand im Mittelpunkt des diesjährigen Förderpreises.

Den Preis in Höhe von 15 000 Euro erhielt die Stiftung „Bürger für Leipzig“ für den Bildungsfonds „Musik macht schlau“. Der ermöglicht es Kindern aus, wie Tiefensee sagte, „sehr, sehr einfachen Verhältnissen“, ein Instrument zu erlernen. Zu den Initiatoren dieses Projekts gehören die Mitglieder der Band Tokio Hotel, die 20 000 Euro stifteten, teilweise als Paten für Kinder, denen sie den Instrumentalunterricht finanzieren. Manche Berufsmusiker unterrichten Kinder auch gratis, manche Bürger spenden gebrauchte Instrumente. Es geht nicht darum, künftige Superstars aufzubauen. „Musik macht Spaß, und Musik macht stark“, hob Cellospieler Tiefensee den umfassenden Bildungseffekt hervor.

Der Kuratoriumsvorsitzende Werner Böhnke erinnerte daran, dass ein Viertel aller Jugendlichen die Schulen ohne Ausbildungsreife verlässt, dass 12 Milliarden Euro mehr gebraucht würden, um Deutschland bei der Bildung in den europäischen Durchschnitt zu rücken.

Die vielfältigen Möglichkeiten, die es zur Bildungsförderung abseits vom staatlichen Geld gibt, zeigt auch „Geben gibt“. Zu den Vorzeigefreiwilligen gehören die 20-jährige Studentin Lisa Dahm, die Partys für kranke und behinderte Kinder veranstaltet, und der ehrenamtliche Boxtrainer Daniel Tischer, der, selber aus einfachen Verhältnissen kommend, durch Sport „Respekt und Disziplin“gelernt hat.

An dem Motto der Kampagne „Geben gibt“ habe eine PR-Agentur wahrscheinlich lange gearbeitet, vermutete Humordoktor Eckart von Hirschhausen. „Dabei steht es auch schon in der Bibel.“ Der Einstieg ins Engagement ist aus seiner Sicht ganz einfach. Geld für andere auszugeben etwa, von der Tasse Kaffee bis zur Spende: „Danach fühlt man sich gleich reicher.“ Elisabeth Binder

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