Stadtleben : Geehrter Baumeister

Ein Buch über Ludwig Mies van der Rohe, Architekt der Neuen Nationalgalerie

Bernhard Schulz

Mittlerweile zählt auch Ludwig Mies van der Rohe zu den „Helden ohne Degen“, die die Ernst-Freiberger-Stiftung mit Büsten am Spreeufer ehrt. Nun ist auch das zugehörige Buch zu dem Baumeister erschienen, der, in Aachen gebürtig, in Berlin mit der 1968 eingeweihten Neuen Nationalgalerie eine Ikone der Architekturgeschichte geschaffen hat. „Mies hat die Tempel des 20. Jahrhunderts gebaut“, schreibt Paul Kahlfeldt, der sich mit dem Umbau von Bewag-Umspannwerken selbst in die Berliner Bautradition einreiht, in seinem Buch. Mies’ Berliner Jahre von 1905 bis 1938 werden ebenso gewürdigt wie die drei Jahrzehnte im amerikanischen Exil bis zum Tod des Architekten 1969. Er starb hoch geehrt; die größte Ehrung, die Berlin aussprechen konnte, war der vom West-Berliner Senat freihändig vergebene Auftrag für die „Galerie des XX. Jahrhunderts“, die noch während der Bauzeit zur Nationalgalerie umgewidmet wurde.

Die vier Autoren des angenehm „klassisch“ gestalteten Buches – neben Kahlfeldt sind dies der wohl beste deutsche Mies-Kenner Fritz Neumeyer sowie Michele Caja und der junge Artur Gärtner – zeichnen das Bild eines stoisch seinen Weg verfolgenden Baumeisters fernab modischer Strömungen, als deren Urheber er gleichwohl in den sechziger Jahren herhalten musste und entsprechend kritisiert wurde. Zugleich machen die Beiträge deutlich, dass große Architektur keinen Rezepten folgt, sondern jeweils nur am einzelnen Werk geschaffen wird. Bernhard Schulz











— Paul Kahlfeldt u.a.:
Ludwig Mies van der Rohe. Be.bra Wissenschaft Verlag, Berlin. 160 Seiten, 32 Euro.

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