Gefilmt an der Sektorengrenze : Anderer Blickwinkel

Ein Volkspolizist filmte vor 50 Jahren die Grenze. Jetzt schenkte er die Aufnahmen dem Museum. Was heute überrascht: Seine Vorgesetzten hatten mit den Dreharbeiten im Dienst kein Problem.

Sebastian Scholz
An der Gedenkstätte. Der Hobbyfilmer Peter Guba leistete zwischen 1959 und 1962 seinen Dienst bei der Volkspolizei und war an der Sektorengrenze zwischen Bernauer Straße und Brandenburger Tor stationiert.
An der Gedenkstätte. Der Hobbyfilmer Peter Guba leistete zwischen 1959 und 1962 seinen Dienst bei der Volkspolizei und war an der...

Allein der Projektor ist schon ein Relikt. Das Sammlerstück Marke Weimar 2 sieht aus wie ein alter amerikanischer Toaster, wirft nur ein winziges Bild an die Wand und macht einen Höllenlärm. Doch die Schmalfilme aus der Zeit der Teilung, die Peter Guba in der Stiftung Berliner Mauer auf diesem Apparat zeigt, sind mindestens genauso wertvoll.

Der passionierte Hobbyfilmer leistete zwischen 1959 und Mai 1962 seinen Dienst bei der Volkspolizei und war an der Sektorengrenze zwischen Bernauer Straße und Brandenburger Tor stationiert. Auch im Dienst hatte er die Schmalfilmkamera oft dabei und bannte teils einzigartige Bilder auf Zelluloid. So filmte er den damals noch provisorischen Grenzübergang Bernauer Straße, der später mit Beton und Stacheldraht ausgebaut wurde. Auf einer Aufnahme vor dem Mauerbau sind zwei Grenzpolizisten zu sehen, die noch erstaunlich gelassen Trabis nach West-Berlin durchwinken.

Was heute überrascht: Seine Vorgesetzten hatten mit den Dreharbeiten im Dienst kein Problem. „Ich habe den Kompaniechef gefragt, ob ich die ganzen Veränderungen in Berlin filmen darf“, erzählt Guba. „Da war sogar der Politoffizier dabei. Beide haben nur kurz überlegt und dann gesagt. ,Ach, nehmen Sie die Kamera halt mit‘.“ Nur einige Kollegen hätten ihn gemahnt, er solle „die Filmerei doch lieber sein lassen“. Guba filmte trotzdem weiter, wenngleich auch er denkt, dass seine Vorgesetzten in späteren Jahren vermutlich weniger kulant gewesen wären. Denn die Empörung über den Mauerbau nahm zu, und die Stasi schwärzte im Zuge verstärkter Spionageabwehr viele Bänder.

Auf die Idee, seine alten Schmalfilme zu spenden, brachte ihn ein Stadtführer. „Bei einem historischen Rundgang durch Berlin meinte ich beiläufig, dass ich vom Grenzbereich noch alte Filme zu Hause hätte“, sagt Guba. Der Stadtführer habe ihm daraufhin empfohlen, sich an die Stiftung Berliner Mauer zu wenden.

Seine Aufnahmen möchte er jetzt auch dem Filmteam zur Verfügung stellen, das in Kooperation mit dem Tagesspiegel an einem Kinostreifen aus Amateurfilmmaterial aus der Zeit der Teilung arbeitet. Für die beiden Produzenten Gerald Grote und Claus Oppermann sind die Bänder besonders wertvoll. Gerade Aufnahmen aus Ost-Berlin seien selten, sagt Oppermann.

Wer ebenfalls alte Amateurfilme beisteuern möchte, kann sich unter dem Stichwort „Mauerfilm“ per E-Mail an berlin@tagesspiegel.de oder per Brief an den Tagesspiegel, 10879 Berlin, wenden.

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