Stadtleben : Geister der Vergangenheit

Die tragikomische Geschichte einer Heimkehr Harald Martenstein liest aus seinem ersten Roman

Als Joseph aus dem Zug steigt, ist er zwar topfit, verglichen mit anderen deutschen Spätheimkehrern aus Russland. Nur ein Lungendurchschuss, ein paar Stecksplitter, zwei steife Finger: nicht der Rede wert nach all den Jahren des Kriegs und der Gefangenschaft. Aber seine männliche Schönheit ist dahin – und damit auch die Liebe seiner Frau, der Tänzerin und Amüsierdame Katharina. Joseph klopft an die Tür und gerät mitten hinein in ein Eifersuchtsdrama, in dessen Zentrum die leichtlebige Katharina steht, nun allerdings mit einer Kugel im Hals. „Wo hast du das Verbandszeug hingepackt?“ – das sind die ersten Worte, die er nach sechs Jahren Abwesenheit an sie richtet.

„Die Heimkehr meines Großvaters aus dem Krieg stand unter keinem guten Stern“, schreibt Harald Martenstein: Josephs überragende Leistung, das Überleben, zählt nicht mehr. Die Wirtschaftswunderzeit hat andere Themen, in der Ehe warten andere Herausforderungen. In seinem ersten Roman „Heimweg“ (Bertelsmann Verlag) entwirft Harald Martenstein, Lesern des Tagesspiegels und der „Zeit“ als Kolumnist und Autor gut bekannt, ein tragikomisches Bild der jungen Bundesrepublik. Skurrile Gestalten bevölkern die Stadt am Rhein und die zwielichtige Rheingoldschänke: einige lebenshungrig, andere melancholisch, und manche nicht von dieser Welt.

Im Salon liest Harald Martenstein aus seinem Roman und spricht mit Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt über die Geister der Vergangenheit. Die literarischen Köche von „eßkultur“ servieren dazu ein Wirtschaftswundermenü, und Jazzpianist Matthias Klünder lässt die Lieblingslieder von Joseph und Katharina erklingen. D.N.

Zeitung im Salon mit Harald Martenstein, Donnerstag, 31. Mai, 19 Uhr 30, im Löwenpalais, Koenigsallee 30–32, 14193 Berlin-Grunewald. Eintritt (inklusive Essen) 14 Euro. Anmeldung ist erforderlich unter Telefon (030) 26009 609 (heute von 7.30 Uhr bis 20 Uhr, die Zahl der Plätze ist begrenzt. Gehen mehr Anmeldungen ein, entscheidet das Los).

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