Stadtleben : Geliebter Stiefvater

Sonntagslesung: US-Autor Joel Agee erinnert sich an seine Jugend in der DDR

Zwölf Jahre lang hat der US-Schriftsteller Joel Agee in der DDR gelebt, sieben davon in Groß Glienicke. In diesem Semester ist er, wie berichtet, Holtzbrinck Stipendiat an der American Academy. Und am morgigen Sonntag kehrt er für eine Lesung an den Schauplatz seiner Jugend zurück. Im Begegnungshaus Groß Glienicke, in der Glienicker Dorfstraße 2 will er um 16 Uhr aus seinem Buch „Zwölf Jahre. Eine Jugend in Ostdeutschland“ lesen, das im kommenden Jahr vom Hanser Verlag neu herausgegeben wird.

Zusammen mit seiner Mutter Alma, dem Stiefvater Bodo Uhse und dem Halbbruder lebte er von 1948 bis 1955 in einer kleinen Villa am See. Es sei eine schöne Zeit gewesen, sagt der heute 68-jährige Schriftsteller. Den Stiefvater Bodo Uhse, der wie sein leiblicher Vater James Agee Schriftsteller war, hat er geliebt. Allerdings sei er,wie in der Generation üblich, ein sehr stiller zurückhaltenden Mann gewesen. „Ich habe mich oft gefragt: „Liebt er mich? Oder interessiert der sich nur dafür, ob ich meine Hausaufgaben gemacht habe?“ Erst später, als er die Tagebücher las, entdeckte er, wie liebevoll der Stiefvater über ihn geschrieben hatte. Zu den Freunden der Familie gehörte auch der spätere Kulturminister Alexander Abusch. Heute sagt Agee, er wisse nicht, ob es gut für den Stiefvater war, dass seine Bücher in den DDR-Schulen Pflichtlektüre waren: „Wo Pflicht herrscht, leidet die Freude.“

In der DDR war er unter anderem Werftarbeiter und genoss den besonderen Status. In New York wurde aus Joel Uhse dann Joel Agee und aus dem Werftarbeiter ein Schriftsteller. Bi

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