Geschichte des Zoo Palasts : Der Glanz von gestern

Die glamouröse Geschichte des Zoo Palasts reicht von West-Berliner Frontstadt-Zeiten bis in die jüngste Gegenwart – mit jeder Menge Stars als Personal.

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Schwungvoller Auftakt. Mit der „Zürcher Verlobung“ fing am 28. Mai 1957 das Kinoleben des Zoo Palasts an. Liselotte Pulver, Paul Hubschmid und Bernhard Wicki hießen die ersten Stars.
Schwungvoller Auftakt. Mit der „Zürcher Verlobung“ fing am 28. Mai 1957 das Kinoleben des Zoo Palasts an. Liselotte Pulver, Paul...Foto: Heinz Köster/bpk

Der größte Filmstar, der je den Zoo Palast besucht hat? Ihm sogar – zähnefletschend und mit gesprengten Fesseln – aufs Dach gestiegen ist, wenngleich mit fremder Hilfe? Das war King Kong: 4,20 Meter hoch, 600 Kilo schwer, zur Berlinale 1993 anlässlich seines 60. Geburtstages aufs damals unumstrittene Hauptkino der Stadt gehoben. Ein Ereignis, das nicht ganz ungetrübt verlief, doch das lag nicht am Affen. Beim Montagetermin hatte ein Fotograf ein kleines Mädchen beschwatzt, in King Kongs Pranke ersatzweise als „Weiße Frau“ zu posieren, woraufhin es bei seinen zahlreich anwesenden Kollegen kein Halten mehr gab: „Guck doch mal hierher ... so, jetzt dorthin.“ Zuletzt war das arme Ding völlig verwirrt und brach in Tränen aus.

Glück und Leid liegen eben gerade beim Kino dicht beieinander – oder auch übereinander wie im Falle des doppelten Lichtspielhauses, das am 28. Mai 1957 an der Stelle des 14 Jahre zuvor ausgebombten Ufa-Palasts am Zoo eröffnet worden war. Damals war das eine Sensation: ein Kino mit zwei Sälen, die als verschieden große Keile übereinandergestapelt waren, sodass die Zuschauer im Hochparkett des großen Saales über der Leinwand des kleinen thronten. In dem Namenswettbewerb, der von der Zeitung „Der Abend“ ausgerufen worden war, entzündete sich gerade daran der vielgerühmte Berliner Humor: Von „Klappstulle“ war die Rede, auch „Doppeltes Lottchen“, „Zwo am Zoo“, „Bambi und Bambino“ oder „Doppeldecker“ wurden vorgeschlagen. Die Jury, der unter anderem Hans Söhnker und die Knef angehörten, entschied sich aber doch, den großen Saal „Zoo Palast“ zu nennen, den kleinen „Atelier am Zoo“ und das gesamte Haus „Bikino“ – ein Name, der schon wegen der später angeklebten Schachtelkinos in Vergessenheit geraten musste.

Karena Niehoff, Filmkritikerin beim Tagesspiegel und auch beim Premierenfilm „Die Zürcher Verlobung“ von Helmut Käutner, mit Liselotte Pulver, Paul Hubschmid und Bernhard Wicki, dabei, verleitete der Neubau geradezu zu poetischer Schwärmerei: „Das neue Kino auf filmhistorischem Boden duckt sich breit und verschlossen wie das Monument eines Bernhardiners zu Füßen des geschmeidigen Hochhauses. Genau genommen besteht es nur aus einem wuchtigen Kopf, in dem der flimmernde Eingang die Augen sind. Der Körper verschwindet irgendwo in den Armen der Randbebauung.“

Ein „lapidarer Klotz“ sei es, der sich aber „ein gesprächiges Innenleben“ gestatte, das Foyer „unvermutet mondän und üppig“, während sich im Hauptsaal selbst „der endlose Bogen der Leinwand wie ein musikalisches Thema in den Schwingungen der Sesselreihen“ fortsetze.1204 Zuschauer fanden dort Platz, im Atelier waren es weitere 550. Das eröffnete einen Tag später mit dem US-Film „Der Regenmacher“, in den Hauptrollen Burt Lancaster und Kathrin Hepburn. Mit der Auswahl der Debütfilme war zugleich die angestrebte Programmlinie beschrieben: Hier der gute deutsche Film, dort die anspruchsvolle Importware – ein Prinzip, das sich auf Dauer nicht durchhalten ließ.

In der Begeisterung des Publikums für den Kinoneubau spiegelte sich die Aufbaueuphorie, die West-Berlin Mitte der fünfziger Jahre erfasst hatte. Die Jahre der Entbehrungen und Provisorien sollten endlich Vergangenheit sein, die Halbstadt wollte wieder Metropole spielen, schon um es denen im Osten mal so richtig zu zeigen. 1957 setzte die Interbau im kriegszerstörten Hansaviertel architektonische Maßstäbe, ein Jahr später eröffnete das neue Café Kranzler, das bald ebenfalls zum Wahrzeichen der Stadt wurde.

Der Zoo Palast, Teil des Zentrums am Zoo mit dem DOB-Hochhaus, dem Bikini-Haus und dem Kleinen Hochhaus, fügte sich in diesen in Beton gegossenen Willen zum Neubeginn perfekt ein. Ein Zusammenschluss von 45 Firmen der Damenoberbekleidungsindustrie, viele von ihrem einstigen Zentrum um Spittelmarkt und Hausvogteiplatz vertrieben und auf der Suche nach neuen Büro- und Verkaufsflächen, hatte das Projekt vorangetrieben und die Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger gewonnen. Auf Drängen von Max Knapp, des künftigen Hausherrn im Zoo Palast, wurde für diesen der mit solchen Bauten erfahrene Gerhard Fritsche dazugebeten. Fritsche wurde für den Lichtspieltempel federführend. Die Bauarbeiten dauerten übrigens nur 255 Tage.

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