Stadtleben : Glänzend gespielt

Schüler des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums reisen mit ihrem „Macbeth“ zu Theaterfestival

Philipp Hauner

Auf Sabine Kündiger prasseln Fragen im Sekundentakt ein: „Duschen wir heute mit Wasser oder nur mit Luft?“, „Schminken wir uns?“ und vor allem „Eine Hose von Macbeth fehlt. Wo ist sie?“

Vor der Generalprobe hat die Lehrerin alle Hände voll zu tun, doch sie nimmt die Fragen mit stoischer Gelassenheit entgegen. Schließlich hat sie das alles schon einmal hinter sich gebracht: Bereits im Frühjahr führten ihre Schüler „Macbeth“ in der Rosa-Luxemburg-Oberschule auf. Nun probt die Gruppe für ihren großen Auftritt am 18. September beim „Schultheater der Länder“, das dieses Jahr in Kassel gastiert.

Zu dem jährlich stattfindenden Theater-Festival entsenden alle 16 Bundesländer jeweils eine Schülergruppe. Unter den drei Berliner Bewerbungen konnte sich der Grundkurs „Darstellendes Spiel“ des Pankower Gymnasiums mit seiner Macbeth-Inszenierung durchsetzen – nicht ohne Grund: Was die Schüler schon in der Generalprobe zeigten, kratzt an der Grenze des Machbaren für ein Schultheater.

In ihrer eigenen, einstündigen dramaturgischen Fassung, entfalten die Schüler den Shakespearschen Stoff mit außerordentlicher Einfühlungsgabe und viel darstellerischem Geschick. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf der sich wandelnden Beziehung von Macbeth zu seiner Gattin Lady Macbeth. Die Entwicklungsstufen Macbeths von einem noch von starken Skrupeln geplagten Mann, über einen blutrünstigen bis hin zu einem wahnsinnigen Tyrannen werden von vier Darstellern gespielt – parallel dazu betreten vier verschiedene Ehegattinnen die Bühne.

Dass das Bühnenbild schlicht gehalten ist – nur ein großer Spiegel, ein paar weiße Leinentücher und einige blecherne Eimer sind zu sehen – stört bei dem schauspielerischen Talent der Schüler nicht im Geringsten. Weit stehen die Augen von Klemens Hilliger von Thiele, 20, offen. Er spielt Macbeth kurz vor seinem finalen Kampf und lässt den Zuschauer glauben, dass seine Nerven blank liegen. An vielen Stellen unterstreicht eine stakkatoartige und von Dissonanzen geprägte Musik die Gefangenheit der Figuren. Dass die Musik die Dramaturgie bestimmen solle, war eine Vorgabe aus Kassel.

Doch was ist nun eigentlich das Geheimrezept der Gruppe? Warum hat ausgerechnet sie es auf das bundesweite Festival geschafft? „Es war ein Ringen, einen Zugang zu dem Stück zu bekommen“, sagt Lehrerin Sabine Kündiger. Vor den ersten Aufführungen im Frühjahr habe die Gruppe zehn Wochen lang jeden Sonnabend und Sonntag geprobt: „Es war wie ein Virus der alle infiziert hatte.“

Auf die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder mitspielen wird, antwortet die Abiturientin Lisa Friedrich, 18, ein wenig wehmütig: „Nein, neue Schüler wollen auch mal ran.“ Philipp Hauner

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