Glanzvolle Gala : Eine Million für Helmut Kohl

Am Montagabend wurde Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Roland-Berger-Preis für Menschenwürde ausgezeichnet. Allerdings konnte Kohl an der Gala aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Gefeiert wurde er dennoch.

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Die glanzvolle Gala zu seinen Ehren hätte Helmut Kohl sicher gut getan. Leider konnte er am Montagabend aus gesundheitlichen Gründen den Roland Berger Preis für Menschenwürde nicht aus der Hand von Bundespräsident Horst Köhler entgegennehmen. Stattdessen schickte er den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, um an seiner Stelle den mit einer Million Euro dotierten Preis entgegenzunehmen, den er für sein historisches politisches Lebenswerk erhielt. Rund 500 Gäste hatten ihre Teilnahme an dem festlichen Abend zugesagt, darunter auch Richard von Weizsäcker, die Stifter Florian Langenscheidt und Ruth Cornelsen, US-Botschafter Philip Murphy, der russische Botschafter Wladimir Kotenev, sein britischer Kollege Sir Michael Anthony und Italiens Michele Valensise.

„Für Helmut Kohl war die deutsche Einheit nie Utopie. Sie war ihm immer eine Lebensaufgabe“, sagte der Gründer der Stiftung, Roland Berger. Sein gesamtes politisches Leben lang habe er am Ziel der deutschen Einheit festgehalten. Dass in einem Teil Deutschlands Menschen unterdrückt und ihrer bürgerlichen Freiheitsrechte beraubt wurden, habe seinen Werten von Freiheit und Selbstbestimmung zutiefst widersprochen. Auf Wunsch des Preisträgers stellte Roland Koch die Dankesworte unter das Leitmotiv „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Der Beginn der deutschen Nationalhymne sei für Kohl nie nur ein Lippenbekenntnis gewesen, sondern sein politisches Programm bei allen Herausforderungen, sagte er: „Wenige haben derart nachhaltig zur Einigung unseres Kontinents beigetragen.“ Wenn Kohl heute zurückblicke, dann tue er dies sicherlich in Demut, in Dankbarkeit und mit Stolz.“ Bundespräsident Horst Köhler sagte, dies sei die richtige Zeit, „diesen großen Mann zu ehren“.

Das Preisgeld will Helmut Kohl für gute Zwecke zur Verfügung stellen

Eine bewegende Laudatio hielt der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Es stimme zwar, dass der politische und soziale Umbruch der Jahre 1989/90 als Folge des aufgestauten und aufbrausenden Freiheitswillens der Mittel- und Osteuropäer sowieso nicht mehr in Schranken zu halten gewesen sei. „Aber solche historischen Augenblicke brauchen nicht nur den Willen der Massen, sondern auch die Vision der Einzelnen. Helmut Kohl gehörte zu solchen Visionären der europäischen Politik. Er war unter jenen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Gunst der Stunde zu nutzen wussten. Nicht für alle war diese Vision damals selbstverständlich.“

Das Preisgeld will Helmut Kohl für gute Zwecke zur Verfügung stellen. Mit 700.000 Euro soll an der Universität Heidelberg eine „Helmut Kohl Gastprofessur für Europäische Kultur und Politische Philosophie“ errichtet werden. Weitere 300 000 Euro werden für den Bau eines Kinderkrankenhauses in Sri Lanka eingesetzt, das Kohl seit der Tsunami-Katastrophe 2004 unterstützt. Den ersten Preis hatte vor zwei Jahren die Kambodschanerin Somaly Mam erhalten, die gegen Menschenhandel und Kinderprostitution kämpft. Im letzten Jahr ging er an „Reporter ohne Grenzen“ und die iranische Menschenrechtlerin Shirin Ebadi.

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