Stadtleben : Glückliche Wendung

Das ZDF lässt fürs „Wunder von Berlin“ die Mauer bauen – und wieder fallen Die Filmleute wurden zu Experten für die Ereignisse am 9. November

Nana Heymann

Ausgerechnet der Weltuntergangsbeschwörer Nick Cave hat ihn mit dem imperialistischen Klassenfeind versöhnt. Als ihm seine Freundin von ihrem Begrüßungsgeld eine Platte des australischen Sängers kaufte, fand sich auch Tilo Koch mit dem Ende der DDR ab. Noch kurz zuvor, bei einer Demonstration am 4. November 1989 in Berlin, hatte er als Soldat der Nationalen Volksarmee versucht, den Sozialismus gegen Miesmacher und Aufwiegler zu verteidigen. Es half nichts.

Angelehnt an die Biografie von Tilo Koch dreht das ZDF derzeit einen Film über den Fall der Mauer. „Das Wunder von Berlin“ soll er heißen, so lautet zumindest der Arbeitstitel. Dafür ließ die Produktionsfirma teamWorx vor gut drei Wochen an der Swinemünder Brücke in Wedding ein Stück Mauer nachbauen, 65 Meter lang und aus Sperrholz. Ansonsten wird unter anderem in Friedrichshain gedreht. Oder im alten Polizeipräsidium an der Otto-Braun-Straße in Mitte. Dort wollten Regisseur Roland Suso Richter und sein Team gestern das mehrere Millionen Euro teure Projekt vorstellen.

Protagonist Tilo Koch, der im Film Marco Kaiser heißt, wird von Nachwuchsschauspieler Kostja Ullmann gespielt. Die Rolle seiner Freundin, die ihm damals besagte Cave-Platte kaufte und mit der er inzwischen seit 17 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat, wurde von Karoline Herfurth übernommen. Prominente Darsteller sind Veronica Ferres, Michael Gwisdeck und Heino Ferch.

„Das Wunder von Berlin“ ist nicht der einzige Film, der in diesem Jahr hier gedreht wird und sich mit dem Thema Teilung beschäftigt. Im Spätherbst soll der TV-Zweiteiler „Die Grenze“ gedreht werden, der „eine deutsch-deutsche Teilung auf politischer, wirtschaftlicher und militärischer Ebene“ aufgrund eines Terroranschlags durchspielt. Die Geschichte von Drehbuchautor Christoph Fromm wird ebenfalls von teamWorx realisiert.

Die Produktionsfirma avanciert nicht zu letzt mit diesen beiden Filmen zum Mauer-Spezialisten. Schon vor sechs Jahren brachte sie den Zweiteiler „Der Tunnel“ ins Fernsehen, Heino Ferch spielte darin einen Republikflüchtling. Mehr als sieben Millionen Zuschauer saßen vor den Fernsehern, als er sich unterirdisch in die Freiheit grub. Der große Erfolg überzeugte teamWorx-Geschäftsführer Nico Hofmann offenbar von den Fähigkeiten des Hauptdarstellers: Ferch war im vergangenen Jahr auch in „Die Mauer – Berlin 61“ zu sehen sowie 2005 in „Die Luftbrücke“.

Vielleicht ist der 43-jährige Schauspieler prädestiniert für die Verfilmung von Berlin–Themen. Nachdem er seine Ausbildung am Salzburger Mozarteum beendet hatte, kam er 1987 in den Westteil der Stadt und war hier für die Freie Volksbühne tätig. Bei der blieb er drei Jahre lang Ensemblemitglied – und erlebte so den Fall der Mauer unmittelbar. In „Das Wunder von Berlin“ spielt Ferch nun den Vater von Protagonist Marco Kaiser: einen hochrangigen Stasi-Mitarbeiter, der als Opportunist die Vorzüge seines Jobs genießt. Wann der Film im ZDF ausgestrahlt wird, steht bislang noch nicht genau fest – voraussichtlich aber im Herbst nächsten Jahres.

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