Globe Theater : Hollywood-Kulisse bei Ebay zu haben

Die Shakespeare Company will das "Globe"-Theater aus Roland Emmerichs Shakespeare-Film "Anonymus" nutzen. Doch jetzt steht es zur Versteigerung.

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Bühne frei? Nicht ganz. Eigentlich sollte aus dem Kulissennachbau des historischen Shakespeare-Runds ein echtes Theater auf dem Berliner Schlossplatz werden....Alle Bilder anzeigen
Alle Fotos: Manfred Thomas
20.07.2011 18:19Bühne frei? Nicht ganz. Eigentlich sollte aus dem Kulissennachbau des historischen Shakespeare-Runds ein echtes Theater auf dem...

Vor gut einem Jahr drehte dort Hollywood-Regisseur Roland Emmerich. Dann sollte aus dem Kulissennachbau des historischen Shakespeare-Runds ein echtes Theater auf dem Berliner Schlossplatz werden. Und jetzt wird das 14 Meter hohe Bauwerk im Internet zum Verkauf angeboten. Mindestgebot für die Hollywood-Filmkulisse: ein Euro.

Es dauerte nicht lange, da gab am späten Dienstagabend der erste Interessent sein Angebot ab – ein Euro. Gut möglich, dass keine weiteren Bieter einsteigen. Denn ein Schnäppchen ist die Kulisse trotzdem nicht: Der neue Besitzer muss nämlich den Abbau und Umzug vom derzeitigen Gelände finanzieren, die Kosten dafür werden auf 50 000 Euro geschätzt. Das ist wohl auch dem ersten Bieter klar geworden, denn inzwischen bat er den jetzigen Besitzer, sein Angebot zurückziehen zu dürfen.

Der Kulissenbau, der immer noch auf dem Filmstudiogelände in Babelsberg steht, gehört derzeit Christian Leonard, künstlerischer Leiter der Berliner Shakespeare Company. Er hat das 360-Grad-Theater bei Ebay eingestellt – ein Verzweiflungsakt, wie er einräumt. Denn eigentlich hatte Leonard große Pläne. Für rund 365 000 Euro wollte er das „Globe Theatre“ umbauen, daraus eine feste Theaterstätte auf dem Schlossplatz machen. Dafür hat er eigens eine Machbarkeitsstudie durch einen Statiker und Architekten erstellen lassen. Doch diese Pläne sind erst einmal gescheitert.

Die Kulisse, die laut Leonard für knapp eine halbe Million Euro errichtet worden war, hatte ihm Emmerich nach Ende der Dreharbeiten zu dessen Shakespeare-Film „Anonymous“ überlassen. Umsonst, aber eben unter der Bedingung, dass die Shakespeare Company den Abbau und Umzug bezahlt.

Damit steht er vor einem massiven Problem: Bis Ende Juli muss er die Kulisse abgebaut haben, darauf drängt das Studio Babelsberg als Besitzer des Grundstücks. Die Vorbereitungen für den neuen Film „Wolkenatlas“ mit Tom Hanks liefen an, die Flächen würden für den Dreh gebraucht, so Studio-Sprecher Eike Wolf. Daher müsse Leonard die Theater-Kulisse bis Monatsende abgebaut haben. Für die Filmemacher und die Kulissenbauer des Studios, sagt Wolf, sei ohnehin klar, dass ihre Bauten normalerweise nicht für die Ewigkeit taugten: „Sie landen im Deko-Himmel und sind dort gut aufgehoben.“ Dennoch habe das Studio bisher das Umzugs-Vorhaben unterstützt, weiter könne die Abbaufrist aber nicht aufgeschoben werden.

Der Theatermann Leonard, der mit neun weiteren Schauspielern seiner Company auch in dem Emmerich-Film mitgespielt hat, will die Hoffung bis zuletzt nicht aufgeben. Er hoffe, dass sich ein Sponsor findet, der den Abbau der Kulisse übernimmt – denn der Wiederaufbau sei trotz aller bisher nicht erfolgreichen Gespräche mit Berliner Behörden nicht ausgeschlossen.

Leonard und seine Company träumen seit mehr als zwölf Jahren von einem eigenen Shakespeare-Theater in Berlin. Nirgendwo breite sich die Atmosphäre der Shakespeare’schen Werke so intensiv aus wie in einem dem Theaterrund des 16. Jahrhunderts nachempfundenen Bau. Im Oktober vergangenen Jahres standen Leonard und seine Mitstreiter sogar in der Babelsberger Kulisse auf der Bühne – um einem ausgewählten Publikum die Attraktivität des Theaters unter Beweis zu stellen. Erfolg hatte das nur bedingt: Wie der künstlerische Leiter der Company schildert, sei Berlin zwar interessiert gewesen, den „Globe“-Umzug zu unterstützen, doch gebe es keine Einigkeit über den Standort: Während die Staatlichen Museen zu Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bereit gewesen seien, das „Globe“ am Kulturforum an der Potsdamer Straße anzusiedeln, habe die Senatsbauverwaltung diesen Standort bisher abgelehnt, so Leonard. Das stattdessen angebotene weniger belebte Grundstück an der rückwärtigen Seite des Kulturforums an der Tiergartenstraße komme für seine Company nicht infrage: Die Investition der staatlich nicht geförderten Theatergruppe von rund 365 000 Euro für Umzug und Umbau des „Globe“ sei dort mit einem zu hohen Risiko verbunden, sagt Leonard. Daher habe er interessierte Sponsoren, darunter die Stiftung Deutsche Bank, bisher nicht an das Projekt binden können. Er hoffe jedoch, dass bei der Standortsuche das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. 

Erstmal jedenfalls hofft Leonard auf ein Wunder – ansonsten müsse er „in Babelsberg meine leeren Taschen zeigen“. Den unglücklichen Ebay-Nutzer, der bei Abgabe seines Ein-Euro-Angebots die hohen Folgekosten offensichtlich nicht im Blick hatte, will Theatermann Leonard jedenfalls nicht zur Kasse bitten, das Gebot wird er nicht annehmen. Angeblich handelt es sich bei dem Bieter um die Tochter eines Puppenspielers, die ihrem Vater eine Freude machen wollte. Es darf also weiter geboten werden.

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