Google : Abgefahrenes Projekt

Das Projekt ist streng geheim. Seit wann die dunklen Opel Astras auf Berlins Straßen unterwegs sind, wird nicht verraten. Wie viele es genau sind, ist ebenfalls unklar. Und wie lange das Ganze dauert? Kein Kommentar!

Frank Brunner
Google
Hoher Anspruch. Die Google-Wagen sollen jeden Winkel der Stadt ablichten. -Foto: promo

Bekannt ist nur: Die US-Internetfirma Google lässt derzeit ganz Berlin abfotografieren – mit Autos, die in Schrittgeschwindigkeit eine Straße nach der anderen abfahren. Auf den Dächern sind Teleskopmasten mit Spezialkameras befestigt. Die fotografieren vollautomatisch und im Sekundentakt.

Das Ergebnis soll sich bald jeder kostenlos im Internet ansehen können. Denn Google plant, die Bilder am Computer zu einer riesigen 360-Grad-Panoramalandschaft zusammenzufügen. Wer sich dann auf der Startseite des Unternehmens in das Programm „Street View“ klickt, kann virtuell durch Berlin spazieren: von einem Ort zum anderen, zwischendurch anhalten und sich umdrehen, die Richtung wechseln – alles so, als befände man sich wirklich in der Straße. Dabei sitzt man bequem zu Hause am Rechner.

In den USA gibt es „Street View“ schon seit Mai vergangenen Jahres. 40 Städte sind bereits abfotografiert worden, das Ergebnis ist spektakulär. Auch durch einige Gebiete Europas kann man schon online reisen. So kann man seit gestern die komplette Route der diesjährigen „Tour de France“ im Internet ablaufen. Neben Berlin werden derzeit auch München und Frankfurt am Main komplett abfotografiert.

Berlin zeigt Google bisher nur im Programm „Google-Earth“, also aus der Vogel-, nicht aus der Fußgängerperspektive. Die neue Optik des Zusatzprogramms „Street View“ sei auch eine Bereicherung für den Tourismus, sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland. „Nutzer, die vielleicht noch nie in Berlin waren, haben so die Möglichkeit, sich ein Bild von der Stadt zu machen.“ Über den Starttermin will Stefan Keuchel aus Prinzip nicht sprechen: „Das machen wir bei neuen Funktionen erst, wenn diese verfügbar sind, normalerweise also erst am Starttag.“

Das dürfte noch etwas dauern. Schließlich müssen nach Angaben des Unternehmens einige hunderttausend Fotos geschossen werden. Und die Autos – jedes hat auf seinem Dach elf im Kreis angeordnete Linsen – fahren nur bei schönem Wetter. „Wir wollen natürlich keine grauen oder verregneten Fotos verwenden“, so Keuchel. Aufnahmen von ahnungslosen Passanten oder Autokennzeichen werde es aber nicht geben, versichert der Google-Sprecher. „Mit einer besonderen Software werden wir solche Details unkenntlich machen.“

Manche Datenschützer sind skeptisch. Funktioniere dies tatsächlich so, wie von Google versprochen, sei dieses Projekt sicher nicht zu beanstanden, sagt etwa der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix. „Allerdings muss man abwarten, wie die Verfremdung genau funktioniert und zu welchem Zeitpunkt die Bilder bearbeitet werden.“ Problematisch ist für den Datenschützer auch die systematische Speicherung der Bilder durch Google. Es sei schon ein Unterschied, ob Touristen einfach durch die Gegend knipsen oder ein Unternehmen gezielt Bilder sammelt, sagt Alexander Dix.

Frank Brunner

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