Große Pläne : Hallervorden übernimmt Schlosspark-Theater

Der Kabarettist Dieter Hallervorden übernimmt das traditionsreiche Schlosspark-Theater und plant dort anspruchsvolle Inszenierungen. Zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit stellte er am Mittwoch die Pläne für das Haus vor.

Cay Dobberke
Hallervorden
Schluss mit lustig. Dieter Hallervorden will großes Theater machen. -Foto: dpa

Ihm gehe es um den Spaß an der Kultur, sagt Dieter Hallervorden, und er liebe Herausforderungen: Im September 2009 will der Schauspieler und Kabarettist das Steglitzer Schlosspark-Theater neu eröffnen – als Betreiber und Intendant. Er fühle sich wie eine „Glucke“, scherzte der 73-Jährige am Mittwoch, als er und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Pläne vorstellten. Seine Hauptaufgabe bestehe darin, „interessante Regisseure und Darsteller zusammenzubringen“.

In erster Linie plant Hallervorden „anspruchsvolles Sprechtheater“ in Eigen-, Fremd- und Koproduktionen. Mit dem Anhalter Theater in Dessau, den Hamburger Kammerspielen und dem Deutschen Theater in Göttingen wurden Kooperationen vereinbart. Ein festes Ensemble soll es nicht geben. In der Eröffnungssaison möchte Hallervorden mit Regisseuren und Schauspielern wie Dieter Wedel, Klaus Maria Brandauer und Johanna Schall zusammenarbeiten. Außerdem hat er Angelica Domröse, Jürgen Thormann und weitere ehemalige Schauspieler des Hauses eingeladen, dort zu gastieren. Hin und wieder will Hallervorden selbst auf der traditionsreichen Bühne stehen – etwa beim Auftakt am 2. September. Zur Eröffnung wird das französische Erfolgsstück „Die Socken Opus 124“ in einer Inszenierung von Katharina Thalbach uraufgeführt. Der Kartenverkauf beginnt im Februar – über Theaterkassen und das Internet sowie im Charlottenburger Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“, das Hallervorden seit 1960 betreibt.

Wowereit betonte, das Schlosspark-Theater mit seinen 450 Plätzen erhalte keine Zuschüsse zum Spielbetrieb. Die Kulturverwaltung befürworte aber einen Förderantrag bei der Lottostiftung. In die Sanierung des Altbaus will Hallervorden 1,2 Millionen Euro investieren. Dafür zahlt er fünf Jahre lang keine Miete, danach werden monatlich 3000 Euro plus Betriebskosten fällig. Insgesamt hat der Vertrag eine zehnjährige Laufzeit. Mit finanziellem Gewinn rechnet er nicht: „Ich bin froh, wenn ich mit plus/minus null herauskomme.“

Die Geschichte des Schlosspark-Theaters reicht bis 1804 zurück, 1921 zog es in den neoklassizistischen Wirtschaftstrakt des Gutshauses Steglitz an der Schloßstraße. Berühmt wurde die Bühne nach dem Zweiten Weltkrieg unter Boleslaw Barlog. Zum Ensemble gehörten Martin Held, Klaus Kinski und Hildegard Knef. Nach der Schließung der Staatlichen Schauspielbühnen in den 90er Jahren übernahm deren Ex-Generaldirektor Heribert Sasse die Leitung; 2004 folgten Andreas Gergen und der Musicalkonzern Stage Entertainment. In beiden Fällen blieb der wirtschaftliche Erfolg aus, seit zwei Jahren steht das Haus, das dem Land Berlin gehört, leer.

Hallervorden will sich nicht an Reiseveranstalter wenden, nur um das Haus mit Touristen zu füllen: „Ich hasse es, vor Gruppen zu spielen.“ Er setzt auf Besucher aus Berlins Südwesten und anderen Bezirken. Steglitz sei doch „keine kulturelle Diaspora“. Cay Dobberke

Pendlerpauschale soll im Frühjahr

vollständig ausgezahlt werden

Die Pendlerpauschale für das Jahr 2007 soll in Berlin im kommenden Frühjahr vollständig ausgezahlt werden. Die meisten Rückerstattungen würden automatisch in die Wege geleitet, sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Clemens Teschendorf, am Mittwoch. Er gehe „davon aus, dass das reibungslos klappt“. Den Bürgern sei bei der Steuererklärung 2007 geraten worden, ihren Anspruch auf die Pendlerpauschale trotz der damaligen Gesetzeslage einzutragen. Wer dem nachgekommen sei, bekomme einfach einen geänderten Einkommenssteuerbescheid zugestellt und das Geld ausgezahlt. Nachanträge seien aber auch kein Problem. ddp

Neuer Qualitätsbericht:

Berlins Kassenärzte arbeiten gut

Die Ärzte in Berlins Praxen werden immer engmaschiger kontrolliert – und haben dabei im vergangenen Jahr gut abgeschnitten. Das geht aus dem Qualitätsbericht 2008 hervor, den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin am Mittwoch vorstellte. In Berlin unterlägen zwei Drittel aller Kassenleistungen einer zusätzlichen Qualitätskontrolle durch die KV, sagte Vorstandsmitglied Burkhard Bratzke. Überprüft wurden etwa Fortbildungsnachweise, technische Geräte, die Hygiene und die Qualität der Behandlungsdokumentation. Zwei Ärzte verloren die Kassenzulassung. Sie dürfen aber Privatpatienten weiterbehandeln. Bratzke beklagte, dass ein Zulassungsentzug selbst in krassen Fällen oft nicht möglich sei, weil die Gerichte sehr strenge Anforderungen stellten. In Berlin sind rund 8500 Ärzte und Psychotherapeuten in Praxen tätig. Die Qualitätskontrollen sollen noch ausgeweitet werden. Der Qualitätsbericht ist im Internet abrufbar unter www.kvberlin.de. fk

Diakonie kritisiert Senatsbeschluss

zu Hartz-IV-Mieten

Das Diakonische Werk und das Berliner Arbeitslosenzentrum der evangelischen Kirchenkreise (BALZ) haben die Neuregelung des Senats für die Übernahme der Mietkosten bei Hartz-IV-Empfängern kritisiert. Berlin entferne sich damit „noch weiter von dem gesetzlichen Auftrag“, die angemessenen Kosten der Unterkunft zu übernehmen, sagte Diakonie-Chefin Susanne Kahl-Passoth am Mittwoch. Der BALZ-Vorsitzende Frank Steger nannte besonders die Abschaffung der Schonfrist von einem Jahr bei Überschreiten der Unterkunftskosten von ALG-II-Beziehern eine „schwerwiegende Verschlechterung“. Außerdem gehe die neue Regelung an Familien vorbei. Der Senat hatte beschlossen, nur für Single-Haushalte die Richtwerte zu erhöhen. sik

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