Großereignis am Sonntag : Berlin-Marathon: Immer schneller

Langschläfer haben beim 36. Berlin-Marathon am Sonntag keine Chance: 42,195 Kilometer in 2:03:59 - diesen Weltrekord von 2008 gilt es zu toppen.

Eva Kalwa
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Beinarbeit. Der Sonntag steht wieder ganz im Zeichen der Waden. -Foto: Thilo Rückeis

IMMER HAILE HINTERHER

Um 9 Uhr geben am Sonntag der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Fußball-Bundestrainer Joachim Löw auf der Straße des 17. Juni auf Höhe des Kleinen Sterns den Startschuss und schicken rund 41 000 Läufer und Power-Walker aus über 100 Nationen auf die 42,195 Kilometer lange Strecke. 45 Minuten nach dem Zieleinlauf können sich alle Teilnehmer eine Sofort-Urkunde ausdrucken lassen. Für die Schnellsten gibt es bei der Siegerehrung ab 14 Uhr am Brandenburger Tor Medaillen, die traditionell die besten Marathonläufer aller Zeiten würdigen. In diesem Jahr ist wie schon 2008 der 36-jährige Äthiopier Haile Gebrselassie abgebildet.

 
DIE VERFOLGER 

Der 36. Berlin-Marathon - die Karte
Grafik: Tagesspiegel

Nur fünf Läufer haben es bisher jemals geschafft, den Klassiker der Langstrecken unter 2:05 Stunden zu laufen, und die schnellsten zwei von ihnen gehen am Sonntag an den Start: Der Äthiopier Haile Gebrselassie tritt mit seinem Weltrekord von 2:03:59 Stunden an, den er 2008 in Berlin aufgestellt hat. Auch in den beiden Jahren zuvor hat der Vater von vier Kindern den Marathon an der Spree für sich entscheiden können. Gefährlich werden könnte ihm vor allem Duncan Kibet, der die Weltjahresbestenliste anführt. Die Bestzeit des Kenianers liegt bei 2:04:27 Stunden. Bei den Frauen startet die 24-jährige Äthiopierin Magarsa Askale Tafa als Favoritin mit einer Bestzeit von 2:21:31. Allerdings hat die Zweitplatzierte von 2008 in diesem Jahr noch kein Marathonrennen absolviert und ist daher in ihrer Form schwer einzuschätzen. Ihre stärkste Gegnerin ist die Äthiopierin Atsede Habtamu, sie wurde trotz eines schweren Unwetters beim Dubai-Marathon 2009 Zweite. Weltrekordhalterin Paula Radcliffe geht wie auch bei der Leichtathletik-WM vor einigen Wochen in Berlin nicht an den Start.


DAS BLAUE IDEAL

Der Berliner Marathonkurs gilt als attraktiv für Spitzensportler, Hobby-Läufer und Zuschauer: Er ist flach und damit schnell, führt an vielen touristischen Highlights wie Reichstag, Kurfürstendamm und Gedächtniskirche vorbei und bietet flinken Zuschauern die Möglichkeit, das Rennen von mehreren Stellen nacheinander zu verfolgen. Die blaue gestrichelte Markierung gibt die Ideallinie zum Ziel auf der Straße des 17. Juni vor. An der Strecke befinden sich 14 Verpflegungs- und Erfrischungspunkte.

NUDELN UND NADELN

Der Berlin-Marathon gilt neben den Wettbewerben in London und Rotterdam als einer der schnellsten Marathonkurse der Welt. Sechs Weltrekorde wurden seit 1977 an der Spree aufgestellt. Hinter New York und Boston ist es der Marathon mit der größten Teilnehmerzahl: Im letzten Jahr erreichten 35 783 Läufer das Ziel am Brandenburger Tor, rund 17 000 davon kamen in einer Zeit unter vier Stunden ins Ziel. Die Sieger bei den Männern und Frauen erhalten in diesem Jahr je 50 000 Euro Preisgeld, die Prämien für die Plätze 2 bis 10 staffeln sich von 25 000 bis 2000 Euro, Sonderprämien zwischen 30 000 und 2500 Euro gibt es für besonders schnelle Zeiten. Rund ums Rennen kommen zum Einsatz: eine Million Trinkbecher, 272 000 Sicherheitsnadeln, 145 000 Bananen, 40 500 Schwämme, 7500 Kilogramm Nudeln, 5900 Helfer, 2780 Kilogramm Medaillen und 250 Liter Massageöl. Etwa 70 Musikgruppen stehen am Streckenrand. Für die medizinische Versorgung sind 565 Einsatzkräfte verantwortlich, davon 380 Physiotherapeuten.

ROLLEND INS ZIEL

Sonnabend: Rund 11 000 Läufer werden morgens am Schloss Charlottenburg zum Frühstückslauf Richtung Olympiastadion erwartet, wo ein Gratis-Frühstück winkt. Los geht es um 9.30 Uhr, die Strecke ist sechs Kilometer lang, und das Lauftempo wird durch Führungsläufer auf „gemütlich“ gedrosselt. Um 14 Uhr starten die Kleinsten bis zum Alter von zehn Jahren auf dem Vorfeld des Tempelhofer Flughafens zum Bambinilauf über 500 und 1000 Meter. Anmeldung am Sonnabend direkt vor Ort. Der Mini-Marathon für Schüler, der um 15.58 Uhr am Matthäikirchplatz beginnt, ist ein Mannschaftswettbewerb aus je zehn Läufern. Alle laufen das letzte Stück der großen Marathonstrecke über 4,2195 Kilometer, sodass von jeder Grundschul- und Oberschulmannschaft ein kompletter Marathon absolviert wird. Die rund 7500 Inliner starten kurz darauf, um 16.10 Uhr, am Kleinen Stern. Ihre Marathonstrecke ist mit grünen Streifen gekennzeichnet und weicht an einigen Stellen von der der Läufer ab, da man im Gegensatz zu Sonntag auf geöffnete Kaufhäuser und ähnliches Rücksicht nehmen muss. Alle Skater können am Sonnabend bis 20.30 Uhr auf dem überdachten Außengelände des Flughafens Tempelhof ihr Schlusstraining absolvieren. Ab 17.30 Uhr liefern sich dort die Stars der Szene ein Showrennen über 500 Meter. Sonntag: Die rund 200 Rollstuhlfahrer und Handbiker starten um 8.35 Uhr und um 8.45 Uhr ebenfalls vom Kleinen Stern. Kniebiker und Liegebiker werden in diesem Jahr zum vermutlich letzten Mal in einer Klasse antreten, da letztere den Kniebikern aufgrund ihres größeren körperlichen Handicaps vor allem im Spurtvermögen unterlegen sind. Die große Abschlussparty des Berlin-Marathons findet ab 20 Uhr im „Goya“ am Nollendorfplatz statt. Nicht-Teilnehmer zahlen sechs Euro Eintritt.

Weitere Infos unter Tel. 30128810 (Fr-Sa 10-18 Uhr, So 9-16 Uhr) oder unter www.real-berlin-marathon.com

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