Halbgar einkaufen : "Kochhaus" bietet Zutaten nach Rezept

Das "Kochhaus" in Schöneberg will selbst aus hartnäckigen Fast-Food-Essern kleine Meisterköche machen. Der Kunde bekommt Rezepte vorgeschlagen und findet die Zutaten direkt an einer Stelle - eine bebilderte Anleitung gibt es dazu.

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Einkaufsliste unnötig. Im „Kochhaus“ liegen die Zutaten direkt bei den Rezepten. Kundin Mareike Habermann muss nur zugreifen. Am Samstag öffnete der neue Lebensmittelladen mit dem ungewöhnlichen Konzept.Foto: Spiekermann-Klaas
Einkaufsliste unnötig. Im „Kochhaus“ liegen die Zutaten direkt bei den Rezepten. Kundin Mareike Habermann muss nur zugreifen. Am...

Kochmuffel aufgepasst! Selbst die faulsten Freizeitköche haben nun keine Ausrede mehr, den Lieferservice anzurufen, anstatt selbst an den Herd zu treten. Am Samstag eröffnete das „Kochhaus“ in der Akazienstraße in Schöneberg – und will selbst aus hartnäckigen Fast-Food-Essern kleine Meisterköche machen. Und Hobbyköchen neue Ideen liefern. Das bisher einzigartige Konzept des Lebensmittelladens: Der Kunde bekommt verschiedene Rezepte vorgeschlagen und findet die Zutaten für jedes direkt an einer Stelle – ein begehbares Kochbuch.

Der Einkaufszettel hat ausgedient. Über 20 Tischen prangt jeweils ein Rezept mit den Fotos der Zutaten für Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts. Die Zutaten selbst liegen darunter, so liebevoll dekoriert, dass man die Komposition gar nicht zerstören möchte. In Kühltruhen lagern Fleisch und verderbliche Sachen, in den Regalen stehen Mehl, Öle und Milch. Statt großer Mengen kauft man pro Person ein, und an der Kasse überprüft ein Mitarbeiter, ob das Hühnchen denn auch für vier Leute reicht. Rinderfilet in Balsamico pochiert mit Kartoffel-Scamorza-Gratin kostet 7,80 Euro pro Person, das französische Nationalgericht Coq au Vin 5,70 Euro. Wem daheim noch eine Salatschüssel, Messer oder andere Küchenutensilien fehlen, kann diese ebenfalls im Laden kaufen – sogar Spülmittel für den Abwasch. Und damit alles richtig zubereitet wird, gibt es für jedes Gericht noch eine detaillierte Kochanleitung mit Fotos und Weinempfehlung.

Die Idee zum „Kochhaus“ kommt von Ramin Goo, 29. Zusammen mit Max Renneberg, Karl Dieterich, Dorothée Stöber und dem Koch Benjamin Rendtorff hat er sie dann realisiert. Zu Beginn des Jahres stand das Konzept, für das Goo anfangs belächelt wurde. „Manche meinten, ein Start-up-Unternehmen müsse mit Internet oder Pharmazie zu tun haben und nicht mit Obst und Fleisch“, sagt er. Bevor er das „Kochhaus“ gründete, hat er drei Jahre lang als Unternehmensberater gearbeitet. Den sicheren Job verließ er mitten in der Krise.

Schon morgens strömen die Kunden in den Laden. Viele gucken, einige kaufen. Klaus und Karin Lange-Lehngut aus Grunewald wollen Coq au Vin nachkochen. Wie die anderen Kunden loben sie das Konzept: „Hier kann man zwei einzelne Nelken kaufen und muss nicht gleich riesige Packungen nehmen.“ Die Schönebergerin Mareike Habermann wohnt um die Ecke und will mit ihren zwei Kindern wiederkommen, damit die sehen, was alles im fertigen Gericht drin steckt.

Damit die Rezepte auch in einfach eingerichteten Küchen funktionieren, haben die „Kochhaus“-Gründer sie selbst ausprobiert. Jede Woche sollen zwei Gerichte ausgetauscht werden. Die Zutaten kommen großteils aus der Region. Nun wollen Goo und seine Kollegen „ausprobieren, was der Geschmack der Gegend ist“. In einigen Tagen startet ein Lieferservice, Kochkurse sind in Planung. Ebenso wie weitere Filialen in Berlin und ganz Deutschland.

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