Hausverbot für NPD : Hotelchef für Zivilcvourage geehrt

Hotelchef für Zivilcourage bei Benefiz-Essen geehrt

Sophie Crocoll
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Als eine Angestellte ihm die Reservierung des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt zeigte, zögerte der Direktor des Hotels Esplanade in Bad Saarow nicht lange. Heinz Baumeister wies die Reservierung ab, erteilte Voigt schriftlich Hausverbot und verteidigte sein Hausrecht auch vor Gericht. Dafür ist der Hoteldirektor gestern Abend mit dem Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet worden.

Lea Rosh und Lala Süsskind, die Vorsitzenden des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, vergaben den Preis im Rahmen eines Spendendinners im Hotel Adlon zum ersten Mal. „Wenn Hoteldirektoren deutschlandweit sagen würden: ,Solche Typen kommen hier nicht rein’, dann müssten diese bald in Zelten schlafen“, lobte Süsskind den Preisträger. Das Benefiz-Essen zugunsten des Raums der Namen im Holocaust-Denkmal richtete der Förderkreis bereits zum fünften Mal aus, ein Platz kostete die Gäste 1000 Euro.

Im Raum der Namen sind inzwischen 10 000 Biografien ermorderter Juden zu hören. „Und es sollen noch viele mehr werden“, sagte Rosh – die israelische Gedenkstätte Yad Vashem hat 3,2 Millionen Namen von Holocaust-Opfern zur Verfügung gestellt. „Unsere Historiker haben dazu 1000 neue Namen ermittelt, die wir an Yad Vashem weitergeben können“, sagte Uwe Neumärker, der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden. Eine Hörbiografie kostet 60 Euro.

Für ihre Arbeit sind Stiftung und Förderkreis auf Spenden angewiesen, dafür will sich künftig auch Regisseur Michael Verhoeven als Charity-Botschafter einsetzen: „Niemand kann das, was Deutsche den jüdischen Mitbürgern angetan haben, ungeschehen machen. Aber jeder Einzelne kann wenigstens dazu beitragen, ihre Biographie am Leben zu erhalten“, sagte Verhoeven. Zum Benefizabend begrüßte der Förderkreis rund 80 Gäste, darunter den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, den Vorsitzenden von Pfizer, Andreas Penk, und die Schauspielerin Iris Berben, die, wie es hieß, extra für das Dinner die Bambi-Verleihung in Potsdam schwänzte. Als Hauptredner kam Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Sophie Crocoll

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