Heinersdorf : Ahmadiyya-Moschee feiert bald Richtfest

Die Ahmadiyya-Moschee in Pankow nimmt Gestalt an - demonstriert wird gegen das Bauwerk allerdings noch immer. Die Polizei lässt bereits jetzt Beamte für den Einsatz in Heinersdorf interkulturell schulen.

Claudia Keller
Moschee
Der Rohbau in Heinersdorf ist fast fertig. -Foto: Thilo Rückeis

Die Pfade zu Allah sind dunkel und sandig. Sie verzweigen sich hinter dem Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf, verlaufen zwischen Industriegebiet und Stadtautobahn und führen zu einem kleinen Einfamilienhaus mit Garten. Das Haus ist an diesem Sonnabend hell erleuchtet, in den Fenstern halten Männer Ausschau nach Gästen. Es ist das Haus, in dem sich die Ahmadiyya-Gemeinde bisher trifft und betet und wie an diesem Abend Gäste zu einem nachträglichen Ramadan-Essen begrüßt. „Nächstes Jahr wollen wir die Besucher nach Pankow einladen“, sagt Imam Abdul Tariq. Der Rohbau der umstrittenen Moschee in der Heinersdorfer Tiniusstraße ist so gut wie fertig. „In ein paar Wochen feiern wir Richtfest“, sagt der Imam der nach eigenen Angaben 200 Mitglieder zählenden Berliner Gemeinde. Im Frühjahr will man die Moschee einweihen.

Der Bau koste eine Million Euro. „Unsere Frauen haben das Geld gesammelt“, sagt Imam Tariq stolz. Deshalb werde die Moschee nach „Khadija“ benannt, der ersten Frau des Propheten Mohammed. Khadija war um die 40 und eine erfolgreiche Geschäftsfrau, als sie Mohammed heiratete. Auch brachte sie Kinder aus früheren Ehen in die Beziehung mit dem viel jüngeren Mohammed ein.

Beim Abendessen in den Räumen der Ahmadiyya in Reinickendorf ist allerdings keine Frau der Gemeinde anwesend. „Frauen müssen an einem Sonnabend nicht in die Moschee kommen“, erklärt ein Mitarbeiter. Sie hätten an diesem Abend wohl anderes zu tun. Der Imam ergänzt: Die Frauen würden ihre eigenen Feste feiern, zu denen sie ihre eigenen weiblichen Gäste einladen. „Unsere Frauen wollen lieber unter sich sein.“ Da könnten sie auch viel ungezwungener reden, als wenn Männer dabei sind.

Reis, Lammgulasch und Hühnchen für diesen Abend hat der Mitarbeiter der Gemeinde gekocht, der für die Bewirtung zuständig ist. Vor dem Essen erklärt der 60-jährige Tariq, dem das Anzughemd sichtlich über dem Bauch spannt, welche Bedeutung das Fasten im Ramadan hat. Manchmal dürfe man von 3.30 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends weder essen noch trinken. „Das ist gesund für den Körper, da werden alle Giftstoffe abgebaut.“ Wirkungsvoll sei auch, wenn man im Ramadan nachts für kranke Angehörige bete. „Die Macht der Ärzte ist beschränkt, nur Allah hat umfassende Macht und kann Kranke heilen.“

Am Tisch im Moscheeraum mit weiß-blau karierter Papiertischdecke haben auch zwei Mitarbeiter des „Arbeitsgebiets Ausländer“ von der Polizei Platz genommen. Das ist eine Art Spezialtruppe, die Kontakte zu Moscheen und Migrantenvereinen aufbaut und ihren Kollegen Wissen über den Islam und andere Kulturen zu vermitteln versucht, das ihnen wiederum im Umgang mit Migranten helfen kann. Gerade seien die Heinersdorfer Polizisten geschult worden, um sie auf die neue Moschee vorzubereiten.

Nicole Trommer, eine junge Politikerin der Linken in Pankow, erzählt beim Tee zum Nachtisch von der „Zukunftskonferenz“, die von Freitag bis zum gestrigen Sonntag in Heinersdorf tagte. Finanziert wurde die Veranstaltung vom Integrationsbeauftragten des Senats. Rund 70 Anwohner, Gewerbetreibende, Vertreter von sozialen Einrichtungen und Kirchen haben dabei über die Zukunft des in den vergangenen Jahren eher vernachlässigten Stadtteils von Pankow diskutiert. Auch Mitglieder der Ahmadiyya waren da – und mussten Kritik über sich ergehen lassen. Doch die Debatte sei „sehr konstruktiv“ gewesen, sagt die junge Frau. Die Bürgerinitiative Ipahb, die seit eineinhalb Jahren erbittert gegen die Moschee kämpft, fühlte sich ausgeschlossen, weil nicht der Verein, sondern nur einzelne Mitglieder eingeladen worden waren. Am Freitagabend demonstrierte der Verein mit 100 Leuten und einem Aufgebot von ebenso vielen Polizisten gegen die Konferenz. „Das ist eine reine Werbeveranstaltung für die Ahmadiyya-Sekte“, sagt Joachim Swietlik, der Vereinsvorsitzende. Er habe nichts gegen den Imam oder die Gläubigen, sagt der Heinersdorfer am Telefon, aber ihn störe beispielsweise das Frauenbild, das die Gemeinde vertrete.

Auch darüber wird beim Tee gesprochen. „Ist das nicht gespenstisch, welche Energie die Bürgerinitiative gegen die Ahmadiyya aufbringt?“, fragt Nicole Trommer und rührt in der Tasse. „Der Rohbau ist fast fertig und die demonstrieren immer noch.“ Imam Tariq schätzt Swietlik „als Menschen“, wie er sagt. Er habe ihn auch immer wieder nach Reinickendorf eingeladen. Beim Essen fehlt der Initiativen-Chef aber. „Die Begegnungen in letzter Zeit waren nicht gut“, sagt Tariq.

Der Abend ist fortgeschritten, das Essen abgeräumt, da kommt ein später Gast im dunklen Anzug und rosa Hemd zur Tür herein. Trommer nickt ihm zu. Bis eben sei er bei der Zukunftskonferenz gewesen, sagt der junge Mann, der in Berlin aufgewachsen ist und dessen Eltern aus Pakistan kommen. „Ich wollte unbedingt den Vortrag über die Geschichte Heinersdorfs hören“, sagt er. Dafür hat er sogar das Essen in der Moschee ausfallen lassen.

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