Stadtleben : Helle Momente

Neue Schau im Märkischen Museum übers Licht

Für die Hauptausstellung zu seinem 100. Geburtstag hat sich das Märkische Museum etwas Strahlendes ausgedacht: „Berlin im Licht“ heißt die Jubiläumsschau, mit der das „Märkische“ am Köllnischen Park an eine Schau anknüpft, die im Jahr 1928 Berlin bewegte. „Beleuchtung in alter Zeit“ präsentierte damals Objekte, die kreative Möglichkeiten der Beleuchtung in vor- und frühindustrieller Zeit dokumentierten.

In der Schau, die 80 Jahre später an gleicher Stelle mit dem Titel von damals („Berlin im Licht“) eingerichtet wurde, sind Kienspan, Talglicht, Rüböl und die Laterne, mit der Berlins Nachtwächter den späten Flaneuren heimleuchtete, historische Utensilien. Sie gab es lange vor der Zeit, als Berlin zur deutschen Metropole des künstlichen Lichts aufstieg. Als immer größere Kraftwerke entstanden, wurden Firmen wie Osram und Siemens & Halske zu Marktführern und Lokomotiven in der technologischen Entwicklung.

Designer entdeckten das Licht als Spielmaterial: Die für die Straßenbeleuchtung entwickelte Bogenlampe von Peter Behrens gilt noch heute als Design-Ikone. Hier und da verschwand Straßenlicht im Rausch der flirrenden Leuchtreklamen. Hunger nach Licht schuf Arbeitsplätze, Schichtbetrieb änderte den Lebensrhythmus der Schaffenden – die im Dunkel sah man nicht. 1933 entdeckte die Politik das Licht: Die Nazis instrumentalisierten Kunstlicht für ihre Propagandazwecke, die Kehrseite war schließlich das Gegenteil von Beleuchtung, nämlich totale Verdunkelung im totalen Krieg. Dem Ausstellungskapitel „Licht – Macht – Politik“ folgt schließlich die lichte Stadtinszenierung der Gegenwart: Olympiastadion, Hauptbahnhof und Potsdamer Platz werden als interessante Beispiele für zeitgenössische Lichtarchitektur gezeigt. Schließlich wird das Museumsgebäude selbst zum Ort moderner Lichtinszenierungen. Leuchte, Berlin, leuchte! Lo.

Berlin im Licht, Märkisches Museum, 24. Juni bis 1. Februar 2009, 6 Euro, 1. Mittwoch im Monat freier Eintritt.

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