Stadtleben : Hermlin zu Gast bei Obamas Oma

Der Berliner Jazzmusiker besuchte sie in Kenia

André Görke
260920_0_9c9a62e5.jpg
Foto: dpa

Der Handyempfang ist nicht so gut, aber das liegt wohl eher an der Freisprechanlage in seinem Auto. „Nein, in Kenia bin ich nicht mehr“, sagt Andrej Hermlin, 43, und lacht fröhlich los, „ich bin jetzt wieder in Berlin.“ Vor ein paar Tagen lief Hermlin noch im schicken Anzug durch die Hitze von Kenia, doch der Pankower – oder noch genauer: Niederschönhausener – hatte ja auch einen wichtigen Termin: Hermlin hat im Land seiner Frau Joyce die Großmutter von US-Präsident Barack Obama besucht. „Wir haben eine Stunde in ihrem Garten geschnackt“, erzählt er. „Sie ist eine muntere Frau, oh ja, das ist sie wirklich!“

Ein befreundeter Politiker hatte den Kontakt hergestellt, schließlich sei Sarah Hussein, 86, nicht einfach so zu besuchen. „Um ihr Grundstück mit den zwei Häuschen wurde ein Zaun gezogen, sie wird schwer bewacht“, sagt Hermlin. Seine Frau Joyce konnte in Swahili mit ihr sprechen, er nahm einen Dolmetscher. Und so erzählte Hermlin von den sozialen Projekten, die er in Joyce’ Heimatort am Mount Kenia angestoßen hat. „Da sind wir schließlich zwei, drei Mal im Jahr.“

In eben jenem Thumaita – so heißt das Dorf mit 1000 Einwohnern – gebe es mittlerweile Straßenbeleuchtung („die einzige in der Region“) und sogar eine Müllabfuhr. Da habe Sarah Hussein ihn gefragt, ob er sich denn nicht auch in ihrem Ort engagieren wolle, erzählt Hermlin. Und? „Gut, okay, da hab ich ,Ja‘ gesagt.“

Im August reist er deshalb wieder nach Kenia und wird an der Barack-Obama- Schule den neuen Andrej-Hermlin-Spielplatz einweihen. Ob der allerdings seinen Namen tragen wird, wisse er nicht, „klingt ja schon absurd“. Das Geld, „etwa 2500 Euro“, zahlt er aus eigener Tasche, „das ist meine zweite Heimat und das Engagement mein Privatvergnügen“, sagt Hermlin. „Muss ich halt öfter Klavier spielen.“

Zum Beispiel heute: Da tritt Hermlin im Konzerthaus am Gendarmenmarkt auf bei „A Tribute to Glenn Miller“. Los geht’s um 16 Uhr. André Görke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben