Hertha-Fans : Waldbühne frei!

Am Sonnabend dürfen nur 25.000 Hertha-Fans in Olympiastadion. Deshalb wird das Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart nebenan in der Waldbühne live auf einer Großleinwand übertragen. Die einmalige Heimstätte für Berlins Fußballanhänger wurde jetzt schon einmal sauber gemacht.

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Bereit für den Sommer. Rund 50 Fans von Hertha BSC befreiten am Mittwoch die Sitzreihen der Waldbühne von Laub und Schmutz. Für...Foto: Mike Wolff

Einige der Übeltäter sind auch dabei. Ausgestattet mit Besen, Harken oder Müllsäcken stehen sie auf den Stufen der verlassenen Waldbühne in Charlottenburg und putzen diese heraus für ein besonderes Event. Wie viele der rund 50 Hertha-Fans, die am Mittwochvormittag zum Frühjahrsputz in die Waldbühne gekommen sind, diese Aktion durch ihr Verhalten mitausgelöst haben, will niemand sagen. Zu erkennen gibt sich auch keiner. Aber sie sind freiwillig gekommen, um ihren Fehler wiedergutzumachen – und die Waldbühne für die Übertragung der Bundesligapartie zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart herzurichten.

Innerhalb einer Woche wurde hierfür die Öffnung der Waldbühne organisiert, die eigentlich erst in zwei Monaten den Betrieb wieder aufnehmen sollte. Der Ort könnte passender nicht sein: Unmittelbar neben dem Olympiastadion, wo diese Putzaktion ihren unschönen Ursprung nahm, als etwa 100 Fans nach der bitteren Niederlage ihrer Mannschaft gegen Nürnberg am 13. März das Spielfeld stürmten. Das Urteil des Deutschen Fußball-Bundes fiel hart aus: Nur 25 000 Hertha-Fans dürfen das Spiel am kommenden Sonnabend gegen Stuttgart live im Olympiastadion verfolgen, die lautstarke Ostkurve, die für die Stimmung im Stadion sorgt und aus der heraus die 100 Platzstürmer geklettert waren, muss vollständig leer bleiben.

Dass man gewaltbereite Fans ausschließen möchte, ist verständlich. Was aber ist mit den über 6000 Dauerkartenbesitzern aus eben jener Ostkurve, die gemäß der Stadionetikette auf ihrem Platz geblieben waren? Sie sollten nicht bestraft werden, findet Kay Bernstein, Fan-Sprecher von Hertha BSC. „Nach dem Urteil haben wir uns in der Fanszene Gedanken gemacht, wie wir den Schaden wiedergutmachen können.“ Die Initiative, in der Waldbühne ein riesiges Public Viewing auf einer circa 100 Quadratmeter großen LED-Wand zu veranstalten, kam von den Fans selbst, die Hertha-Verantwortlichen griffen sie dankend auf. Die Dauerkartenbesitzer aus der Ostkurve – den Blöcken Q, R, S und T – können sich nun entscheiden, ob sie das Geld für dieses Spiel zurückbekommen oder sich kostenfrei in die Waldbühne setzen möchten. Die Freikarten gibt es bei Vorlage der Dauerkarte ausschließlich im Vorverkauf. Alle anderen können Tickets für 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, auch noch direkt an der Waldbühne kaufen. Einlass ist um 13.30 Uhr.

Karten an der Tageskasse wird es sicher geben, erst 3000 von möglichen 20 000 waren am Mittwoch verkauft. Kai Bernstein hofft, dass mindestens 10 000 Fans kommen und ordentlich Stimmung machen werden. Wenn sie laut genug sind, könnte die Mannschaft es auf der anderen Straßenseite sogar hören. Und für den Fall eines Sieges schließen die Hertha-Verantwortlichen nicht aus, dass noch Spieler hinüber in die Waldbühne kommen, um mit den Fans zu feiern.

Das Mitbringen von Getränken ist nicht gestattet. Seitens der Polizei sind keine zusätzlichen Maßnahmen geplant, der Sicherheitsdienst von Hertha kümmert sich gleichzeitig ums Olympiastadion, die Ordner aus der Ostkurve sollen jedoch in der Waldbühne eingesetzt werden. Mit Ärger rechnet eigentlich keiner. „Es wird sicher niemand gewalttätig sein“, sagt Hertha-Sprecher Gerd Graus. „Die Fans zeigen hier, dass sie ihren Fehler eingesehen haben und ihn wiedergutmachen wollen.“

Den Fans geht es auch um die Minimierung des finanziellen Schadens von rund 550 000 Euro, der Hertha durch die Randale im Stadion entstanden ist. Zwar wird allein durch Zuschauereinnahmen in der Waldbühne wegen der hohen Miete wohl kein Gewinn erwirtschaftet, doch die Fans wollen T-Shirts verkaufen. Und durch Eigenleistungen wie den Frühjahrsputz sinkt die Miete.

Eine Diskussion, ob man nun diejenigen, die das Spielfeld gestürmt haben auch aus der Waldbühne ausschließen soll, habe es nicht gegeben, sagt Fan-Sprecher Kay Bernstein. Deswegen dürften auch jene 25, gegen die ein Stadionverbot bis 2013 verhängt wurde, hinein. Aber sie sollen mithelfen, sei es durch T-Shirt-Verkauf oder Rollstuhlbetreuung, sagt Bernstein. „Von denen wird hier sicher keiner einfach nur in der Sonne sitzen.“

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