Hobbymusiker in Berlin (1) : Leon Francis Farrow: Auf der Suche nach Bedeutung

06.08.2012 12:00 UhrVon Lena Guntenhöner
Foto: Laura Stresing

Was ist typisch Berlin? Der Alexanderplatz, der Hipster, die Indieband. Nirgendwo tummeln sich so viele Bands wie hier. Die Stadt bietet viele Möglichkeiten, ein aufgeschlossenes Publikum und vielleicht sogar die große Karriere. Davon träumen auch die Jungs von "Leon Francis Farrow".

Wie alle Bands musste auch "Leon Francis Farrow" ganz unten anfangen. Der erste Auftritt fand auf einem Parkplatz statt, erinnert sich Sänger Philo. Das Publikum: Drei Leute, von denen zwei betrunken waren und nach ACDC riefen. „Das war so traurig, dass es schon wieder lustig ist“, meint er heute. Seither hat sich viel getan. Statt auf Parkplätzen spielen die vier Jungs jetzt in bekannten Clubs. Vor kurzem konnte die Band einen Booking Deal mit einer Management-Agentur über fünf Auftritte abschließen.

Die Ursprünge von „Leon Francis Farrow“, einer Pop-/ Rockband, die es seit 2010 unter diesem Namen gibt, liegen in Stuttgart.

Wie so viele andere kamen Niels, Thomas, Lukas und Philo für die Musik nach Berlin. Im Nebenberuf sind sie Studenten - oder stehen kurz vor dem Studium. Leben können sie von ihrer Kunst nicht. Ihre erste EP „Cities“ haben sie gerade mit Crowdfunding vorfinanziert. 1.646 Euro kamen auf diese Weise bisher schon zusammen. Als Gegenleistung für die Spende gibt es eine Songpatenschaft oder einen WG-Abend mit der Band.

Der Probenraum ist eine Welt für sich. Im Keller der Anna-Lindh-Grundschule im Wedding gelegen, knappe 2 Meter hoch, mit schwarzem Schaumstoff isoliert. Hier üben mehrere Bands und Schlagzeuger. Überall stehen leere Flaschen herum, Kabel durchschneiden den Raum und kräuseln sich in den Ecken. Der Größte, Niels, stößt fast mit dem Kopf an die muffig riechende Decke. Die Stimmung bei der Bandprobe ist ausgelassen. „Wir haben total Bock, zusammen Witze zu reißen, aber die Musik nehmen wir sehr ernst“, sagt Philo.

Für das Video des Tagesspiegels haben sie den Song „Keeps me“ ausgesucht. Es geht darin um das Lieblingsthema der Band: die Suche nach Bedeutung. „Bei allem, was man macht, geht es doch immer darum, etwas zu bedeuten“, erklärt Songschreiber Philo. Aus diesem Anspruch heraus ist auch der Bandname entstanden. "Leon Francis Farrow" dient als Alter Ego. Mit diesem neuen und unverbrauchten Namen wollen die vier wie auf einem weißen Blatt Papier Bedeutung in der Musikwelt erlangen.

Leon Francis Farrow - Keeps me

Ihre Vorbilder sind Folkrock- oder Countryrockbands wie Counting Crows oder Wilco. Aber auch Oasis oder die Beatles haben die Musik beeinflusst. Bei der Stimme von Jeff Tweedy, dem Sänger von Wilco, gerät Philo ins Schwärmen: „Die Musik trifft dich einfach. Wenn ich mal Zweifel habe, erinnert sie mich daran, wofür ich das alles mache.“

Weitere Informationen unter: http://leonfrancisfarrow.com/

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