"Homeland"-Star in Berlin : Rupert Friend verlässt nicht gern das Haus

Heute Abend stellt Rupert Friend am Potsdamer Platz seinen neuen Thriller „Hitman“ vor. Weit hatte er es nicht: Seit drei Monaten lebt der Schauspieler hier – ohne große Begeisterung. Eine Begegnung.

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Eigentlich sieht Rupert Friend ganz nett aus - im neuen Film "Hitman - Agent 47" guckt er meist ein wenig strenger. Foto: Andrew Kelly/Reuters
Eigentlich sieht Rupert Friend ganz nett aus - im neuen Film "Hitman - Agent 47" guckt er meist ein wenig strenger.Foto: Andrew Kelly/Reuters

Die Haare sind zum Glück wieder nachgewachsen. Einer, der aussieht wie er, kann zwar irgendwie alles tragen, aber so richtig vorteilhaft war dieser kurzgeschorene Kopf für Rupert Friend dann doch nicht. Für den Thriller „Hitman – Agent 47“, der am Mittwochabend im Cinestar am Potsdamer Platz Weltpremiere feiern sollte, musste die brünette Pracht weg. Schließlich sollte am Hinterkopf ja deutlich der Barcode mit der Nummer 47 zu sehen sein, der den Agenten als solchen identifizierbar macht. Nun aber sieht Rupert Friend, 33, wieder ganz so aus wie man ihn kennt – als Peter Quinn in der US-Serie „Homeland“.

Und nicht nur, da deren fünfte Staffel bekanntlich gerade in Berlin und der Region gedreht wird, war es nur naheliegend, die Weltpremiere des nächste Woche anlaufenden Films in Berlin zu veranstalten. Auch „Hitman“ selbst, eine Verfilmung des gleichnamigen Computerspiels, ist – offenbar gänzlich unbemerkt – im vergangenen Jahr hier gedreht worden.

Hier versteckt sich die Hauptfigur Katia (Hannah Ware) vor Agent 47 (Friend), der genetisch verändert wurde zur perfekten Killermaschine. Da prügelt sich der Agent mit John Smith (Zachary Quinto) im U-Bahnhof Alexanderplatz, zielt von Dach des Berliner Verlags – und verfehlt, weil ihm die U-Bahn durchs Bild fährt. Fährt die am Alex nicht unterirdisch? Für Berliner ist nicht nur das ein wenig verwirrend, sondern auch wenn der Henry- Ford-Bau der Freien Universität kurzerhand zur US-Botschaft wird und der Bus, den Katia nimmt, eindeutig nicht für die BVG im Einsatz ist. Aber hey, Hollywood darf schließlich alles, und hinter Spandau merkt das eh niemand mehr.

Drei Monate lang haben sie 2014 hier gedreht, erzählt Rupert Friend nun also gut gelaunt beim Gespräch im Hotel de Rome am Bebelplatz. Die rote Krawatte, die sein Agent im Film immerzu trägt, hat er gegen ein schwarzes Hemd mit lilafarbenem Blumenmuster eingetauscht, Jeans und Turnschuhe, ein bisschen Bartflaum, breites Grinsen.

Rupert Friend ist also back in Berlin, ein halbes Jahr insgesamt, denn mit „Homeland“ sei man gerade erst halb durch. Ein Apartment hat er sich dafür genommen, irgendwo in West-Berlin, wo genau, will er nicht verraten. Vermutlich hat ihm seine Homeland-Partnerin Claire Danes erzählt, dass es schnell unangenehm werden kann mit der deutschen Boulevardpresse. Eine Zeitung mit großen Buchstaben hatte immer wieder private Aufnahmen von ihr veröffentlicht, als auch ihr zweijähriger Sohn zu sehen war, engagierte Danes einen Anwalt.

Was Berlin fehlt? Feuerholz ins Haus geliefert

Um Rupert Friend war es bisher eher ruhig, was vielleicht auch daran liegt, dass er offenbar nicht gern das Haus verlässt. Was er am meisten vermisse, sagt der gebürtige Brite, der inzwischen in New York lebt, seien die Lieferservices. „Niemand liefert hier irgendwas“, sagt er und zieht die buschigen Augenbrauen hoch, bis sich die Stirn in diese unglaublich tiefen Falten legt. „Ich verstehe das einfach nicht.“ Stirnrunzeln auch auf der anderen Seite, das könne eigentlich nicht sein, Lieferdienste seien auch hier durchaus beliebt, was er denn habe bestellen wollen? „Holz“, sagt er dann. Äh, Holz? „Ja, eine Menge Feuerholz, niemand wollte das machen.“

Bevor man fragen kann, wie groß dieses kleine Berliner Apartment denn sei, beeilt er sich nachzuschieben: „Und Lebensmittel!“ Man beginnt, zahlreiche Lieferdienste aufzulisten, Friend fragt begierig nach, hat dann aber doch keinen Stift zur Hand. Überhaupt sei das mit dem Service hier so eine Sache, sagt er dann. „Die Taxifahrer fahren manchmal einfach weg, und ich frage mich: Warum wollt ihr mich nicht fahren? Das ist doch merkwürdig.“ Aber vielleicht sei er auch einfach verwöhnt von New York, wo man alles immer haben könne, 24 Stunden lang. „Blumen, Eier, Autos, völlig egal.“

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Das viele Reisen gehe ihm inzwischen ohnehin auf die Nerven, sagt er. Die zweite Hälfte von „Hitman“ spielt in Singapur, die vorige „Homeland“-Staffel wurde in Kapstadt gedreht. „Aber ich sehe nie irgendwas von den Orten, an denen ich bin“, sagt Friend. Müsste er vielleicht selbst mal zum Supermarkt gehen, verkneift man sich zu sagen. Es ist zu spät, ein Berlin-Fan wird Friend jetzt ohnehin nicht mehr.

Nachtleben? "Nicht so mein Ding"

Wo er denn gern mal drehen würde? „In New York“, sagt er schnell, „ich bin einfach nie zu Hause. Ist es nicht irre, dass ich dort noch nie gedreht habe?“ Und plötzlich strahlen die knallblauen Augen, weg sind die Falten. „Wissen Sie was? Der Film, den ich als Nächstes drehe, spielt in New York!“ Na, so ein Zufall. Deswegen wollte er also Regie führen – um endlich mal zu Hause drehen zu können? Nein, sagt Rupert Friend lachend, das sei sicher nicht der Grund für seinen ersten Versuch als Regisseur. Die Geschichte habe einfach gut zum Staat New York gepasst: Zwei Trickbetrüger, die auf Roadtrip Richtung Norden gehen. Das Drehbuch hat er auch geschrieben. Und nach zehn Jahren im Geschäft habe er einfach mal was Neues probieren wollen.

Apropos probieren, was will er denn jetzt noch machen in den verbleibenden Wochen in Berlin? „Das Nachtleben soll ja hier super sein“, sagt er zögernd, „aber das ist leider nicht so mein Ding.“ Aber ins Museum wolle er dann schon noch mal, irgendwann, irgendwie.

Ach, und eine Sache fällt ihm noch ein: „Warum schreiben die Leute hier ihren Namen an die Tür?“ Das sei doch nun wirklich merkwürdig, oder nicht? Erneute Ratlosigkeit in der Runde. Nun ja, das sei ja auch praktischer als eine Nummer oder, Agent 47? Gelächter. Welchen Namen er denn auf sein Klingelschild geschrieben habe? Irgendeinen, sagt Friend lachend. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

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