Hüttenpalast : Camping in Neukölln

Im Neuköllner „Hüttenpalast“ stehen die Wohnwagen regensicher in der Halle. Das neue Hotel in der nähe des Hermannplatzes will die Kiezkultur bereichern und gleichzeitig Touristen anlocken.

Markus Huth/dapd
Dach überm Kopf. Silke Lorenzen lädt in den Neuköllner „Hüttenpalast“. Foto: Schmidt/dapd
Dach überm Kopf. Silke Lorenzen lädt in den Neuköllner „Hüttenpalast“. Foto: Schmidt/dapdFoto: dapd

In die ehemalige Neuköllner Fabrikhalle fallen durch breite Fenster Sonnenstrahlen auf Wohnwagen und Holzhütten. Die angehende Hotelbetreiberin Silke Lorenzen steht in legeren Hosen und weißem Shirt dazwischen und erklärt die Szenerie. „Man könnte es Indoor-Camping nennen“, beschreibt die 35-Jährige ihr Konzept, das es in Deutschland so noch nicht gebe. An diesem Montag wird ihr „Hüttenpalast“ im Reuterkiez, Hobrechtstraße 65/66, eröffnet.

„Der Antrag der Genehmigung war kniffelig, wir wussten ja selbst nicht genau, wie wir unser Hotelprojekt definieren sollten“, erinnert sich Lorenzen. Letztlich habe man sich mit dem Bauamt auf „Gasthof“ geeinigt – „obwohl das ein bisschen nach Landleben klingt“. Immerhin verbreitet der sonnige Hof mit den aus alten Kübeln und Badewannen sprießenden Pflanzen ländliche Idylle.

Neben der 200 Quadratmeter großen „Indoor-Camping-Halle“ mit je drei Wohnwagen und Hütten umfasst der Gasthof noch sechs Hotelzimmer der Drei-Sterne-Kategorie, die in dem denkmalgeschützten Gebäude der einstigen Staubsauger- und Möbelfabrik gelegen sind. Insgesamt bietet der Hüttenpalast Platz für 30 Gäste. Während ein Hotelzimmer mit Doppelbett 80 Euro kostet, kann man sich in Hütten und Wohnwagen für 30 Euro pro Person einquartieren.

Laut Natascha Kompatzki von der Marketinggesellschaft visitBerlin ist der Zeitpunkt für Hoteleröffnungen in Neukölln günstig: „Dieser sehr ursprüngliche Bezirk ist touristisch weiter im Kommen.“ Nach dem Landesamt für Statistik haben 2010 über 250 000 Touristen in Neukölln übernachtet. Stadtführer bieten mittlerweile sogar spezielle Neukölln-Touren an, weil sich dort viele Handwerker und Künstler niedergelassen haben, weiß Natascha Kompatzki.

Die gelernte Eventmanagerin Lorenzen und ihre Geschäftspartnerin, Designerin Sarah Vollmer, leben seit vielen Jahren im Bezirk. Eine Berliner Bank gewährte ihrem Unternehmen einen Gründerkredit. „Die Hälfte davon haben wir für Bauarbeiten und Renovierungen gebraucht“, sagt Silke Lorenzen. Dabei soll der Hüttenpalast nicht nur Hotel, sondern auch Veranstaltungsort sein.

„Wir wollen einen aktiven Beitrag zur Kiezkultur leisten“, erklärt die Gasthof-Frau. So wurden die Wohnwagen und Hütten von internationalen Künstlern aus der Nachbarschaft gestaltet. Während eine helle, mit violetten Blumen geschmückte Holzhütte vor der großen Fensterfront französisches Alpenflair verbreitet, verströmt ein weißer Wohnwagen zunächst provinziellen Campingplatzcharme. Innen ist der Oldtimer aber aufwändig mit weißem Holz ausgekleidet.

Die Wagen und Hütten stehen alle zusammen in einer Halle. „Das fördert die Kommunikation unter den Gästen“, sagt Silke Lorenzen, aber sie weiß auch: „Natürlich ist das nicht jedermanns Sache.“ Wer viel Wert auf Privatsphäre lege, solle daher besser eines der Hotelzimmer buchen.Markus Huth/dapd

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