Hula-Hoop : Die Reifenprüfung

Hula-Hoop ist wieder da – und wird nicht mehr von Kindern, sondern vor allem von Erwachsenen getanzt. In Berlin gibt es Kurse für Anfänger.

Silke Weber
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Praktisch. Den Kunststoffreifen kann man überall mitnehmen. -Foto: Tina Werner/promo

Sie schwingen um Hälse, Hüften und Handgelenke, rollen über Schultern oder umkreisen Beine. Und es sind keine Kinderbeine, sondern die von Erwachsenen, hier im Rosengarten im Weinbergspark.

50 Jahre nach seinem ersten Siegeszug feiert der Hula-Hoop ein weltweites Comeback. Rachel Catton, 31, und Balazs Ari,39, bringen den Trend nach Berlin. „Es macht süchtig“, sagt Ari. In den USA gebe es bereits eine richtige Szene, in der man allerdings nicht mehr Hula- Hoop sage, sondern „Hooping“ oder noch besser: „Hoopdancing“. Rachel Catton hörte durch Zufall davon und bastelte sich ihren ersten Erwachsenenreifen selbst – aus Wasserschläuchen, Verbindungsstücken und bunt gemustertem Tape-Band. Gemeinsam mit ihrem Freund Balazs Ari ging die britische Wahlberlinerin in Parks und trainierte. Die Leute guckten, wollten es selbst ausprobieren, manche wollten Catton und Ari gleich für Shows buchen. „Wir können mehr, als den Reifen um unsere Hüften kreisen zu lassen“, dachten sie sich. Eines kam zum anderen.

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Neuer Schwung. In den 50ern galt der Reifen als Kinderspielzeug, jetzt trainiert Balazs Ari, 39, in Berlin Erwachsene. -Foto: David Heerde

Heute kann man die speziellen Reifen in Erwachsenengröße direkt bei ihnen bestellen. Catton, eigentlich Malerin, designt jeden Reifen individuell. Außerdem bieten die beiden Kurse an, derzeit sind es sechs mit jeweils fünf bis zehn Teilnehmern. Und sie haben bereits einige treue Anhänger. Zum Beispiel Evelin Horn, 36. Die Latein- und Standardtänzerin suchte nach einer sportlichen Abwechslung, „um lockerer in der Hüfte zu werden“. 800 Kalorien verbrennt der menschliche Körper beim Hooping pro Stunde, doch Horn sieht es nicht als fithaltende Pflichtübung: „Ich fühle mich wie ein Kind, das auf die Straße spielen geht.“ Die Softwareentwicklerin Michaela Birgle, 37, mit grüner Trainingshose und lässiger Kurzhaarfrisur, findet Hooping wegen der kreisenden Bewegungen „meditativ“. Vielleicht kommt daher der Vergleich als neues Yoga unter den Trendsportarten. Rachel Catton fasst die Vorteile so zusammen: „Es ist sexy, spaßig und gut für Körper und Geist.“ Und es eigne sich hervorragend als Rückbildungsgymnastik nach einer Schwangerschaft, deswegen bieten Catton und Ari seit kurzem einen speziellen Kurs für Mütter an.

  Man kann den Reifen überallhin mitnehmen, es darf einem nur nicht peinlich sein, wenn Leute gucken. Für Karsten Dieter, 37 und Schuldenberater, ist der Reifen ständiger Begleiter: „Statt ein Bier zu trinken, kann man einfach nach der Arbeit im Park ein paar Übungen machen.“ Dieter nimmt den Hula-Hoop-Reifen mit zur Ostsee oder sonntags zum Karaoke im Mauerpark, „da hat man gleich die Musik dabei“.

Auch Firmen sind schon aufmerksam geworden und buchen Rachel Catton und Balazs Ari für die sportliche Motivation ihrer Mitarbeiter. „Da war diese Berliner Filmproduktion“, erinnert sich Ari. „Die haben die Musik in der Firma voll aufgedreht“, und dann legten sie sich in der Mittagspause die mitgebrachten Reifen um ihre Hüften.

Die beiden Hooping-Lehrer veranstalten Workshops auf Festivals oder treten bei Veranstaltungen wie dem Karneval der Kulturen auf. Für sie ist Hoopdancing nicht nur Sport, sondern „Unterhaltung und Performancekunst“. Sie tanzen mit leuchtenden LED-Reifen bei Clubnächten und animieren die Leute zum Mitmachen. Der deutsche Künstler Christian Jankowski buchte sie für eine Videoinstallation.

 Die weltweite Hoopdancing-Szene wächst schnell. Als Schöpfer des Trends gelten die Mitglieder der US-Band The String Cheese Incident – auf ihren Konzerten warfen die Musiker selbst gemachte Hula-Hoop-Reifen in die Menge, um die Konzertgänger zum Tanzen zu bringen. Als Nächstes schwappte die Welle nach Großbritannien und Australien, dann nach Japan. Eine Amerikanerin hat eine Non-Profit-Organisation ins Leben gerufen, um die Kunststoffreifen an arme Kinder verschenken zu können.

Die Fans tauschen sich über das Internet aus, stellen Videos auf Youtube. Es gibt circa 40 gängige Tricks, den Reifen wandern zu lassen, sie heißen den Figuren nach „Bunny“ oder „Alevator“. Und dann ist da die Organisation „World Hoop Day“, die jedes Jahr zur Teilnahme am weltweiten Hula-Hoop-Tag einlädt. Nächste Woche Mittwoch ist es wieder so weit, die Berliner Hooping-Lehrer wollen im Weinbergspark und im Tape-Club feiern. Jeder ist willkommen – und es bleibt ja noch eine Woche zum Üben.

- Informationen über Kurse, Trainingsorte und Gebühren gibt es telefonisch unter 0174-4778379 oder im Internet unter www.myspace.com/hooplaberlin.

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