IFA 2008 : Auf Blumen zoomen

Morgen öffnet die Internationale Funkausstellung. Es gibt Luxusmöbel, Kochshows – und Popkonzerte im Sommergarten

Jan Oberländer

Das wohl schönste Ausstellungsstück der diesjährigen Elektrogeräteschau Ifa ist ein Kühlschrank. Der fast zwei Meter hohe, schwarze und mit Glas verkleidete Turm glänzt so edel, dass man sich überwinden muss, hier ein Stück fette Wurst oder einen stinkenden Käse hineinzulegen. Im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtend ist dagegen, dass im oberen Teil des Luxusmöbels ein 17-ZollLCD-Bildschirm eingebaut ist. 16:9-Format, DVB-T-Tuner, Touch- oder Fernbedienung. Küche als Kino.

Das in Halle 7.1 am Stand 101 zu bewundernde „coolMedia“-Gerät für knapp 2600 Euro erscheint nicht nur in Sachen Küchen-Lifestyle zukunftsweisend. Mit seiner Verbindung von TV und Haushaltstechnik treibt es zudem eine Neuerung dieser Ifa auf die Spitze: Zum ersten Mal seit der ersten Funkausstellung 1924 wird auch sogenannte „weiße Ware“ präsentiert. Neben sparsamen HightechKühlschränken sind dies etwa Espressomaschinen mit Superschaumdüse (Halle 7.1 C, Stand 101) oder Induktionskochfelder, deren Temperatur per Fingerspitze reguliert wird (Halle 4.1, Stand 101).

Doch werden im Schatten des Funkturms nicht weniger neue Videokameras, Flachbildfernseher und Hifi-Anlagen präsentiert als früher. Vielmehr hat man die Ausstellungsfläche durch zusätzlich errichtete Hallen um 11 000 Quadratmeter erweitert. Mit 1245 Ausstellern aus 63 Ländern ist die Ifa nun nicht mehr nur die Spitzenmesse im Bereich Unterhaltungselektronik. Sie ist außerdem die größte – weil einzige – Haushaltselektrogeräteausstellung der Welt.

Trotz des großen Angebots wird die nächste Medienrevolution aber wohl nicht eingeleitet, wenn die Ifa am Freitag um 10 Uhr für das Publikum geöffnet wird. Pfiffige Weiterentwicklungen vergangener Ifa-Renner gibt es aber zu sehen. Etwa bei den Navigationssystemen. Die konnten den Nutzer schon vor einem Jahr auf Sehenswürdigkeiten am Wegesrand hinweisen. Mittlerweile sind sie so mobil, dass sie nicht nur Autofahrern, sondern auch Wanderern und Wassersportlern Orientierung bieten – inklusive Kompass und Höhendarstellung (Halle 9, Stand 202). Als Orientierungshilfe in Sachen Handy-Navi gibt es in Halle 8.1 an Stand 111 sogar eine „Themeninsel". Für die unübersichtliche Hallenwelt der Ifa wird leider kein elektronischer Navigator angeboten. Wer schon weiß, was er sucht, kann sich unter www.ifa-berlin.de informieren und den Rundgang planen – übrigens auch auf dem Messegelände: Für Notebookbesitzer sind zahlreiche WLANHotspots eingerichtet. Traditionalisten können an den Eingängen zum fingerdicken Messeguide greifen. Für Sehbehinderte und Gehörlose gibt es spezielle Führungen (Info-Telefon: 30 69 69 24).

Oder man lässt sich treiben, irgendwas ist immer los. Familien können sich über pädagogisch richtigen Umgang mit Medien informieren (Halle 6.2, Stand 107). Der „Usability Park“ in Halle 8.1 zeigt Produkte, die gut aussehen und trotzdem leicht zu bedienen sind. Foto-Freunde können Schnappschuss-Workshops belegen und sich beim Kamerakauf beraten lassen (Halle 15.1, Stand 115).

Auch das Rahmenprogramm lohnt den Besuch. In Halle 2.2 erzählen ARD-Moderatoren und -Korrespondenten von ihrer Arbeit, außerdem werden Fernsehköche die Löffel schwingen. Den Anfang macht am Freitag um 14 Uhr der „ARD-Buffet“-Chef Rainer Strobel. Das ZDF informiert in Halle 6.2 mit Ratespielen und Wissenschafts-Shows. Die Bühne im begrünten Sommergarten wird am Freitag mit einem Konzert der Teenie-Rocker „Panik“ eröffnet. Für Sonntag ist mit „Rhythms del Mundo“ ein Highlight angesetzt: Ab 20 Uhr präsentieren Bands wie 2raumwohnung und Jan Delay ihre Hits, die sie zuvor mit Musikern des kubanischen „Buena Vista Social Club“ neu arrangiert und aufgenommen haben – nach einem anstrengenden Messewochenende genau das Richtige zum Abschalten.

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