IFA 2008 : Monstermacher

Auf der Ifa konkurrieren Hobbybastler um den Titel „Deutschlands coolster Umbau“. Dafür motzten sie ihre Computer, Kühlschränke und Fernseher auf. Zu den Entwicklern gehören ein Bäcker und ein Maurer.

Elena Senft
Ifa
Frisiert. Der linke Kopf heißt Arthur, der recht Oscar, und ihr Erbauer hat 300 Arbeitstundden in dieses Ungetüm investiert. Es...Foto: Thilo Rückeis

BerlinMan fragt sich schon, was das für komische Leute sein müssen, die an einer Sonderausstellung teilnehmen, bei der es darum geht, elektronische Geräte so umzubauen, dass sie am Ende das Gleiche können wie vorher, aber dabei ganz anders aussehen. Deswegen hat die „Casemodding Exhibition“, die „Deutschlands coolsten Umbau“ sucht, auch etwas Beruhigendes: Menschen, die so etwas tun, sind keine verschrobenen, buckligen, blassen Informatiker mit Taschenrechner in der Hand. Zu den Finalisten gehören unter anderem ein Bäcker aus Peine, ein Maurer aus Neuenhagen und ein Kraftfahrer aus Aiterhofen. Ganz normale Leute also, die einen größeren Wassertank und eine Beleuchtung auf ihre Senseo-Kaffeemaschine bauen, ihre Musikanlage in einen Holzobelisken mit Altägyptischer Blattgoldbemalung einbauen oder ihren PC in einen umfunktionierten alten Kühlschrank einsetzen.

Jan Kratel von Planetlan, dem Unternehmen, das die Ausstellung veranstaltet, auch die Deutsche Meisterschaft ausrichtet und die 20 Finalisten-Objekte für die Ifa ausgewählt hat, sagt, es seien eigentlich schon immer die gleichen Leute, deren Bewerbungen man auf dem Tisch hat und die ihre freie Zeit damit verbringen, Geräte umzubauen. So schlicht kann man das Wörtchen „Casemod“ dann auch übersetzen. 40 Teilnehmer hatten sich für die Ifa beworben. Eine kleine Casemod-Szene also. Und eine Szene, die eindeutig männlich dominiert ist: Unter den Finalisten befindet sich keine einzige Frau.

Matthias Kron hat etwa 300 Stunden an seinem Objekt „Arthur und Oscar“ gearbeitet und nimmt nun mit Startnummer 13 an der Wahl teil. Sein Objekt ist ein zweiköpfiges Fabelwesen, eine Art Drachen. Es besteht aus blauem und gelbem Fell. Der linke Kopf heißt Arthur, der rechte Oscar. Sowohl Arthur als auch Oscar können wackeln. Das Fabelwesen trägt einen Computer-Flachbild-Monitor, im Monsterleib steckt der Rechner. In den Augen ist eine Webcam, so dass der Betrachter sich selbst auf dem Monitor sehen kann, wenn er dem Biest in eines seiner vier Augen guckt. Unter dem linken Fell-Fuß ist das CD-Rom-Laufwerk. Matthias Kron, 35-jähriger Software-Ingenieur aus Mainz, hat das Fabelwesen in einem Käfig in seinem Privatauto zur Ifa gebracht. Normalerweise steht es in seiner Wohnung, denn es ist sein Spiel-Computer, an dem er „Anno 1701“ spielt, ein Aufbau-Strategiespiel, ähnlich wie Siedler. Die Inspiration, sagt Kron, seinen Computer selbst zum Kunstwerk zu machen, sei ihm beim Spielen gekommen. Außerdem mag er Drachen.

Matthias Kron weiß nicht, ob er hier zu den Favoriten gehört. Aber er ist sich sicher, dass es eine gute Idee war, etwas „Organisches“ zu kreieren. Etwas, was ein Gesicht oder sogar zwei Gesichter hat, was das Publikum per se mehr ansprechen würde als etwas Unbewegliches, Technisches. Ob er gewonnen hat, erfährt er erst heute um 17 Uhr, auf der Siegerehrung.

Die Veranstalter sagen, die „Casemodding Exhibition“ sei in erster Linie als Publikumsmagnet gedacht. Aber zukunftsweisend könne sie trotzdem sein. Immerhin seien Computerspiele massentauglich geworden und nicht mehr bloß Fetisch für Freaks. Und wo PCs vor einigen Jahren etwa noch ausschließlich graue Kisten gewesen sind, kommen jetzt immer mehr bunte Gehäuse mit beleuchteten Lüftern auf den Markt. Wer wisse schon, ob in ein paar Jahren nicht auch Rechner gekauft werden, die sich in Kühlschränken befinden. Bisher allerdings müssen sich die Teilnehmer als Hobbybastler sehen und daher auch mit den Mitteln arbeiten, die eher nach Hobbykeller als nach Industrie klingen: Die Stacheln von Matthias Krons Drachen sind die Zacken eines Deko-Weihnachtssterns, die Zähne sind aus Fimo, die Augen sind Salatlöffel. Siegerehrung, 17 Uhr, Halle 15

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