Ifa : Dagmar, Gisela und ich

Eins, zwei, faltenfrei: Die Ifa sucht den Bügelmeister. Unser Autor hat sich der Herausforderung gestellt.

Daniel Stender
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Der Autor in Aktion. -Foto: David Heerde

Andy Warhol soll mal gesagt haben, dass in Zukunft jeder für 15 Minuten berühmt sein wird. Für mich beginnt diese Zukunft auf der Ifa 2009, in Halle 6.1 an Stand 101. Meine Bühne: Der Bügeltisch eins beim Wettbewerb zum ersten Deutschen Bügelmeister. Meine Aufgabe: Zwei zerknitterte Hemden, eine zerknitterte Hose und eine Boxershort sollen nacheinander in acht Minuten faltenfrei gemacht werden. Wer bügelt eigentlich Boxershorts? Aber für solch philosophische Fragen bleibt keine Zeit, denn schon geht es los, und die Konkurrenz ist hart. An den Bügeltischen zwei und drei gehen Gisela und Dagmar ganz planvoll ans Werk. Sie sind mittleren Alters, tragen praktische, rötliche Kurzhaarfrisuren und haben in ihrem Leben sicherlich schon mehr Hemden gebügelt als ich.

Aber ich habe Glück, denn mein Schutzengel bügelt mit. Er hat sich hinter der Absperrung in Form einer sehr erfahrenen Büglerin materialisiert, die mir Tipps wie „Beim Kragen anfangen“ zuflüstert. Mein größtes Problem ist zunächst aber das Bügeleisen namens VVX 2200, mit dem ich Knitterfalten bekämpfen soll. Das Gerät scheint so kompliziert wie sein Name: Ständig dampft es und zischt, ständig verfange ich mich im Synthetikstoff. Während ich noch überlege, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, leert sich der Wäschekorb an Tisch drei mehr und mehr.

Dagmar, Gisela und ich werden von einer dreiköpfigen Jury aus namhaften Bügelexperten begutachtet. Allen voran Bügelkönig Richard Lee. Der Mann, der sich 1983 ins Guinnessbuch gebügelt hat. Damals, so sagt die Legende, soll er acht Stunden lang ein einziges Hemd gebügelt haben. Aber Lee ist auch ein Bügelkünstler – er kann Sterne, Muster und sogar Namen in Hemden bügeln. Ein Masochist? Weit gefehlt: Bügeln ist für ihn Berufung, sagt er: „Ich habe schon immer gern gebügelt. Mit zwölf Jahren fing ich an. Wir waren eine sehr große Familie, und jeder hatte eine Aufgabe. Ich habe gebügelt.“ Heute ist Lee 59 Jahre alt – das sind 47 Jahre Bügeln.

„Du bügelst zu heiß“, flüstert mir mein Schutzengel zu. Langsam wird es knapp, gestresst schalte ich auf Autopilot und lasse mich von der netten Stimme an meiner Seite navigieren: Folgsam stülpe ich den Hosenbund über den Rand des Bügelbretts und setze das Bügeleisen an. Aber es ist zu spät: Die Boxershorts bleiben ungebügelt, denn meine acht Minuten sind abgelaufen. Dagmar und Gisela bekommen von Richard Lee die Höchstwertung: zehn Punkte. Ich erhalte nur schäbige fünf. Daniel Stender

An Stand 101 in Halle 6 wird heute die Deutsche Bügelmeisterschaft entschieden.

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