IFA–REVOLUTIONEN (5) : Der Plasmabildschirm - das goldene Kalb der Postmoderne

Können technische Gegenstände eine fast sexuelle Anziehungskraft ausüben? Ja, können sie. Mit Sicherheit. Und jeden, der das nicht glauben mag, muss man nur auf den Plasmabildschirm aufmerksam machen.

Mit der Vorstellung des Flach-Bildschirms auf der Ifa 1999 hatte unsere Konsumgesellschaft ein neues Leitprodukt. Das jedenfalls ist der Begriff, den Soziologen verwenden, wenn sie Dinge meinen, die jeder haben will, Dinge, die Status verschaffen. Oder schlichter ausgedrückt: Was das goldene Kalb zu biblischen Zeiten war, ist der Plasmabildschirm heute. Wie sonst wäre es zu erklären gewesen, dass Robert Hoyzer seine Karriere als Schiedsrichter so leichtfertig aufs Spiel setzte? Wir erinnern uns an den Spandauer, der Fußballspiele manipulierte, um Bestechungsgelder und...na? ..ja, einen Plasmabildschirm einzukassieren.

Die Sogkraft des flachen Schirms hat seit dem Wettskandal sogar noch zugenommen. Immer mehr Menschen wollen diesen makellosen, spiegelglatten Fernseher, der mit Phosphor und Edelgasen Farben erzeugt. Während im Jahr 2001 noch 90 Prozent aller Ausgaben für Fernsehgerät für die herkömmliche Röhre bestritten wurden, waren es 2006 nur noch mickrige 16 Prozent - der große Rest fiel auf Flachbildfernseher aller Art. Im Internet gibt es inzwischen Foren, wo sich herzhaft darüber gestritten wird, wie man die denn zu reinigen habe: Microfaser, Brillenputztuch oder doch Spezialschaumreiniger? Eine wichtige Frage, das goldene Kalb will schließlich schön glänzen. hip

0 Kommentare

Neuester Kommentar