Ihre Meinung : Admiralbrücke: Lieber Durchgangsverkehr als Partypeople?

Streit um die Kreuzberger Admiralbrücke: Bei schönem Wetter feiern dort viele lautstark bis spät in die Nacht. Anwohner sind genervt. Jetzt will der Bezirk die Poller abbauen und Durchgangsverkehr ermöglichen. Wie finden Sie das? Diskutieren Sie mit!

Annette Kögel
Admiralbruecke
Einige Anwohner fühlen sich vom bunten Treiben auf der Kreuzberger Admiralbrücke bei schönem Wetter gestört. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eine der spontanen Feierlocations dieser Stadt, die Admiralbrücke über dem Landwehrkanal nahe dem Urbanhafen in Kreuzberg , wird offenbar bald der Vergangenheit angehören. Im Herbst will der Bezirk Friedrichshain- Kreuzberg voraussichtlich die Poller zur Verkehrsberuhigung abbauen lassen. Stattdessen sollen neben den Bürgersteigen jeweils ein Fahrradstreifen auf der Fahrbahn markiert werden und nur noch eine Spur über die denkmalgeschützte Brücke führen. Somit könnte „der Querschnitt der Brücke optisch minimiert“ und die Verweildauer von Besuchern vor allem nach 22 Uhr merklich eingeschränkt werden, sagt Jutta Kalepky, Stadträtin für Bauen, Wohnen und Immobilienservice (parteilos, für Bündnis 90/Grüne).

All dies werde nun nach einem Treffen mit Anwohnern, Kiez-Vereinen, Polizei und Ordnungsamt, zu dem Kalepky geladen hatte, geprüft. Die Admiralbrücke hat sich, wie berichtet, zu einem mediterran anmutenden Kommunikationsort gewandelt, der schon in Berlin-Führern beworben wird. Vor allem am späten Nachmittag genießen hier Hunderte den Sonnenuntergang und ihr Freiluftwohnzimmer. Nach 22 Uhr, so die Beobachtung der Anwohner, ändert sich das Klientel: Es wird jünger, lauter, zugedröhnter. Die Nachbarn hoffen nun, dass die „Partyfähigkeit massiv gesenkt wird“.

Dafür muss der Bezirk mit der Stadtentwicklungsverwaltung des Senats, zuständig für alle Brücken und dem Landesdenkmalamt, die Rechtslage prüfen. Bislang ist die Admiralbrücke – dank der einst von Anwohnern erkämpften Poller – verkehrsberuhigt. Deswegen dürfe man aber laut SPD-Stadtrat Peter Beckers, zuständig für Wirtschaft, Bürgerdienste und Ordnungsamt, keine Fahrradstreifen markieren. Doch dort, wo bislang „Partypeople“ sitzen, soll es bald Durchgangsverkehr mit Fahrrädern und Autos geben. Dafür wird laut Beckers auch der Status anderer Straßen beidseitig des Kanals geprüft, möglicherweise ein Lärmgutachten erstellt.

In jedem Fall dürfen nach dem Umbau nicht mehr wie derzeit zwei Spuren über die Brücke führen, sondern nur noch eine. Zu diesem Ergebnis ist der Bezirk nach Einsicht einer Tragfähigkeitsstudie aus dem Jahr 1991 von der Stadtentwicklungsverwaltung gekommen.

Doch nicht alle Anwohner wollen sich von den Pollern trennen, weiß Jutta Kalepky, und wundert sich über „mangelnde Erkenntnisse über Ursache und Wirkung“. Andere Alternativen, wie nach 22 Uhr verstärkt auf Ordnungshüterpräsenz zu setzen, erscheinen den Stadträten aussichtslos. Erstens sind Gröler oder Flaschenwerfer oft schon weg oder nicht ausfindig zu machen, wenn die Polizei eintrifft. Zweitens haben die Ordnungsamtsmitarbeiter laut Stadtrat Beckers weder Kompetenzen noch ausreichende Präsenz, Hunderte Brückenfans nachts zur Räson zu bringen. Zumal die Dienstzeit unter der Woche um 22 Uhr ende.

Unterdessen hat sich im Kreuzberger Kiez laut Insidern eine Entwicklung verselbstständigt, mit der niemand gerechnet hätte: Die engagierten Anwohner, die sich in der Initiative „Rettet die Bäume am Landwehrkanal“ zusammengeschlossen hatten und vor allem 2007 zu täglichen Initiativentreffen auf die Admiralbrücke geladen hatten, sollen angeblich mit dazu beigetragen haben, dass sich der Treffpunkt etablierte. Nach wie vor beobachten jene Bürger jede Regung des Wasser- und Schifffahrtsamts mit Argusaugen – so kritisiert die Initiative aktuelle drastische Baumbeschneidungen und die Rodung von Ufervegetation.

Ob und wie Brückenfans gegen die Umwidmung ihres Lieblingsplatzes vorgehen werden, wird sich zeigen. Es bliebe ja Platz zum Genießen des Sonnenuntergangs auf dem Bürgersteig, sagen Anwohner. Während der Straßenarbeiten soll die Brücke laut Stadträtin Kalepky jedenfalls mit einem „Zaun abgesperrt werden, und zwar mit einem stabilen“.


Lieber Durchgangsverkehr als Partypeople? Was meinen Sie: Ist das Anliegen der Anwohner berechtigt? Finden Sie den geplanten Umbau der Admiralbrücke gut? Diskutieren Sie mit!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben