Stadtleben : Im Hüftschwinger-Club

Das Musical „Miami Nights“ im Admiralspalast erweckt die Disco-Hits der Achtziger zu neuem Leben

Frederik Hanssen

Achtung, dies ist kein Stück für die ganze Familie! Man muss schon um die vierzig sein, um die Qualitäten dieses Musicals entdecken zu können. Die Jüngeren werden sagen: Was, zu dieser Kommerz-Mucke habt ihr abgehottet?! Und die Älteren werden weise lächeln, denn sie haben Bob Dylan, Neil Young und die Stones noch in der Blüte ihrer wilden Jahre erlebt. Wer jedoch damals, 1987, „Dirty Dancing“ geliebt hat, wird auch „Miami Nights“ mögen. Die Show, die bereits 2002 in Düsseldorf herauskam und nun bis 16. März im Rahmen einer Deutschland-Schweiz-Tournee im Admiralspalast gastiert, ist gewissermaßen der kleine Bruder des legendären Films, mit anderen Figuren, aber ziemlich ähnlicher Story: Profitänzer Jimmy verkracht sich kurz vor einem wichtigen Wettbewerb mit seiner Partnerin, trifft auf die Exilkubanerin Laura und lernt von ihr, was es heißt, mit der Seele zu tanzen statt nur mit dem Kopf. Natürlich verlieben sich die beiden, natürlich lassen ihre Familien nichts unversucht, um sie auseinanderzubringen und natürlich gewinnt das ungleiche Paar am Ende das Turnier.

„Miami Nights“ funktioniert dabei nach dem Prinzip des Abba-Musicals „Mamma Mia“, nur dass man sich hier die Aufmerksamkeit des Publikums nicht durch Schweden-Pop, sondern durch Disco-Hits der achtziger Jahre sichert: Madonnas „Material Girl“, Gloria Estefans „Get On Your Feet“, „Holding Out For A Hero“ von Bonnie Taylor, „Let’s dance“ von David Bowie – da steigt aus der Ursuppe der Teenagererinnerung manches auf, da mischt sich privat Erlebtes mit Musikhistorie, da kreischt der Saal begeistert, wenn das „Dirty Dancing“-Zitat von den „Tanzbereichen“ fällt, wenn der jugendliche Liebhaber „Hasta la vista, Baby“ raunt oder ein Zauberwürfel über die Bühne getragen wird.

Die Story folgt der klassischen Minipli- Dramaturgie: Alles ist an den dauergewellten Haaren herbeigezogen. Aber das macht nichts, denn schließlich geht es ja nur darum, irgendwie die Tanznummern zu motivieren. Und die sind wirklich heiß, schnurren in der Choreografie von Natalie Holtom hochprofessionell ab und werden getragen von einem verdammt gut aussehenden, superfitten 23-köpfigen Ensemble, das alles sein kann: Sexy und lasziv, schrill, selbstironisch und natürlich auch dirty. Es gibt Salsa, Mambo, Rock, Jazzdance, ja sogar einen Hauch Chippendales.

Dazu feiert Kostümbildnerin Cheesha Gayden eine Orgie des schlechten Geschmacks. Blassgelbe Schlabber-Shirts, deren Riesenausschnitte über eine Schulter rutschen, türkisfarbene Viskose-Anzüge mit weißen, superschmalen Lederschlipsen, Strickstulpen, kragenlose Collegejacken, Tiger- und Löwenmähnen, das Deckhaar platinblond gefärbt, darunter tiefschwarz – das ganze Grauen der Achtziger, ein Riesenspaß.

Patricia Medeen als Laura, Natacza Soozie Boon (Jessica) und Ava Brennan (Mercedes) haben genau die richtigen Röhren für die Chart-Kracher. Felix Maximilian (Jimmy) dagegen besticht vor allem durch optische Knackigkeit – von vokal anspruchsvollen Nummern wie „Careless Whisper“ oder dem „Wham“-Titel „Everything She Wants“ sollte er lieber die Finger lassen: George Michael-Fans sind da sehr empfindlich.

Admiralspalast, bis 16. März, Infos: www.miami-nights.de

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