Stadtleben : Im Notfall zum Berlinale-Arzt

HELFER Christoph Parke behandelt nicht nur Stars

Udo BadeltD
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Christoph Parke

Auch heute Abend werden die Gala- Gäste wieder achtlos an dem unscheinbaren Raum im Erdgeschoss des Berlinale-Palastes vorbeihetzen. Und das ist auch gut so, denn müssten sie hier rein, wäre das ein schlechtes Zeichen. Hier hat Christoph Parke, hauptberuflich Arzt in der Unfallchirurgie des St. Marien-Krankenhauses, sein Notarztzimmer eingerichtet. Zwischen Sauerstoffflaschen, Medikamentenkoffern und einem Defibrillator kann er Notfälle schnell behandeln. Parke ist der Berlinale-Arzt.

„Am Anfang hat vor allem die flache Treppe vor dem Berlinale-Palast viele Knöchelbrüche verursacht“, erinnert er sich. Im Februar, wenn es noch glatt ist, holen sich viele Besucher Unterschenkelbrüche. Asthma, Bronchitis und Herzattacken kommen ebenfalls oft vor, manchmal auch Platzwunden, wenn sich etwa ein Arbeiter beim Bühnenaufbau an einer Stange gestoßen hat. Lebensgefährlich sind Schocksituationen, die bei Zuckerkranken eintreten können, die nicht bedenken, dass ihr Tagesablauf während der Berlinale ein anderer ist als gewohnt. Und immer wieder entsteht psychischer Stress, etwa bei Darstellern. Dann fährt Parke direkt ins Hotel. Natürlich hat er auch schon Stars behandelt. Aber welche, will er nicht sagen. „Da gilt meine ärztliche Schweigepflicht.“ Er wird auch dann geholt, wenn befürchtet wird, dass sich Besucher angesichts dessen, was sie auf der Leinwand sehen, übergeben könnten. So war es 2007 bei „Lost Children“, einem Film über Kindersoldaten in Uganda. Rund 20 Einsätze hat der 47-Jährige, der ehrenamtlich tätig ist, pro Berlinale.

Christoph Parke, geboren in Düsseldorf, entstammt einer Mediziner-Dynastie. Sein Vater war niedergelassener Arzt, sein Großvater Chefarzt in Köln, sein Urgroßvater ist noch zu den Patienten geritten. Seit 25 Jahren lebt er in Berlin. Er hat an der FU studiert und ist Vater zweier Kinder. Ursprünglich kam er nicht aus ärztlichen Gründen zur Berlinale. Denn im zweiten Leben ist er Künstler, früher stand er in Kreuzberger Off- Theatern und im Renaissance-Theater auf der Bühne. 1997 wurde er Special Event Manager der Berlinale, kümmerte sich aber schon damals nebenbei um Notfälle. Beim Amtsantritt Dieter Kosslicks 2001 wurde seine Tätigkeit schließlich institutionalisiert. Inzwischen wird er unterstützt von einem Kollegen aus der Orthopädie, Sebastian Rabes.

Schauspieler ist Christoph Parke heute nicht mehr. Aber er, der einst Kunst in Paris studieren wollte und die Chirurgie als die Königin der Medizin bezeichnet, weil sie so handwerklich orientiert sei wie keine andere Disziplin, lebt seine Liebe zur Anatomie weiterhin in Form von Skulpturen aus. Er baut Stühle und Stuhlobjekte aus Metall und hat schon in Wien, Paris und bei der Berliner Kunstmeile ausgestellt. Dann muss Christoph Parke erst mal von seinem eigenen Stuhl aufstehen. Das Handy klingelt. Der nächste Einsatz wartet. Udo Badelt

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