Stadtleben : Im Sehnsuchtsland

Die Mark zum Einstecken: Ein DuMont-Reisetaschenbuch über Brandenburg

Andreas Conrad

Brandenburg boomt. Man mag es angesichts der Debatten um verödende Provinzstädte und aussterbende Dörfer kaum glauben, aber als Tourismusziel ist das Land begehrt wie nie zuvor. Das hat Folgen für den Buchmarkt, wollen Reisende doch angeleitet werden. Und so hat nun der DuMont-Verlag ein handliches und sehr brauchbares Reisetaschenbuch für Brandenburg herausgebracht, dieses „Sehnsuchtsland“, wie es die Autorin Ulrike Wiebrecht vielleicht etwas vollmundig, aber ganz im Sinne Theodor Fontanes und Günter de Bruyns anpreist.

Schade, dass der Band trotz solcher Gewährsmänner gerade im Historischen mitunter schwächelt. Paul Gerhardt wahlweise mit -d und -dt geschrieben – das ist nicht schön. Auch ist es keineswegs „fraglich“, wie die Autorin schreibt, dass US-Präsident Truman in der von ihm zur Potsdamer Konferenz genutzten Villa den Befehl zum Atomwaffenangriff gab. Zwar wurde von ihm weder im Babelsberger „Little White House“ noch anderswo ein schriftlicher Befehl unterzeichnet, seine Potsdamer Tagebuch-Eintragungen lassen aber keinen Zweifel übrig, dass dort die letzte Entscheidung fiel. Auch der wohl häufigste Fehler in der Hohenzollern-Literatur ist in dem Reisebuch unterlaufen: Kurfürst Friedrich III. krönte sich 1701 – wegen des polnisch beherrschten Westpreußens – nicht etwa zum König von, sondern zum König in Preußen.

Doch trotz solch gelegentlicher Detailfehler bleibt es ein Band in gewohnter DuMont-Qualität, ein im Allgemeinen doch zuverlässiger Wegweiser durch die Mark. Neben dem ausführlich gewürdigten touristischen Pflichtprogramm wie Rheinsberg, Sanssouci, Branitz, Spreewald oder Fläming-Skate wird für Entdeckungen auch Abseitigeres empfohlen wie das Tabakmuseum Vierraden, das Amphitheater am Senftenberger See oder die Confiserie Felicitas in Hornow mit ihren erotischen Schokoladenfiguren.

Das alles ist übersichtlich aufgebaut, die Beschreibungen von Städten, Dörfern, Sehenswürdigkeiten sind knapp und solide, mit Tipps für Unterkünfte, Restaurants, Aktivitäten, dazu Reisekarten im Maßstab 1 : 550 000. Empfohlene Rundstrecken für den eiligen Touristen fehlen allerdings, auch leuchtet nicht jede Leerstelle ein, dass etwa Sorben und der Eurospeedway nur gestreift werden. Denn wenngleich es die Piste in der Lausitz nicht zu den erhofften Formel-1-Weihen gebracht hat: Als Reiseziel lohnt sie schon, egal ob man dort dann auf der Tribüne sitzt oder hinterm Steuer eines gemieteten Boliden. Andreas Conrad









— Ulrike Wiebrecht:
Brandenburg. Reisetaschenbuch. DuMont Reiseverlag, Ostfildern. 240 Seiten, mit Reiseatlas, 12 Euro

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